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Botschaft zur Weihnachtszeit: “Die Toten mahnen zum Frieden.”
Frieden auf Erden, das ist wohl der dringlichste Wunsch für das Neue Jahr 2026. Dazu hat sich unsere Gastautorin Dr. Fee Friese aus Überlingen folgende Gedanken gemacht.
Gastautor: Dr. Fee Friese
Zeile um Zeile, Spalte um Spalte füllen ihre Namen eine etwas versteckte Wand der Kirche einer kleinen Stadt im Allgäu. Es sind die Namen jener Bewohner, die einst als Soldaten in den Krieg gezogen und nie zurückgekehrt sind. Die Aufzählung beginnt mit dem Krieg gegen Österreich 1800, setzt sich fort mit dem gegen Russland 1812, den Kriegen gegen Frankreich 1814/1815 und 1870/1871 sowie den Gefallenen des 1. und 2. Weltkrieges. Wie sie gestorben sind, kann nur erahnt werden. Schnell, langsam, stumm erfrierend, schreiend unter Schmerzen, verblutend, die Gedärme aus der offenen Bauchwunde quellend…
Die Mütter, Frauen, Kinder, die um ihre umgekommenen Söhne, Männer, Väter trauerten, mussten ohne sie weiterleben.
Die Zurückgekehrten wussten vom Grauen des Krieges, hatten überlebt, verletzt an Leib und Seele, oft nicht mehr fähig, wirklich am Leben teilzuhaben.
Der Krieg blieb nach seinem Ende mit körperlichen, seelischen und wirtschaftlichen Folgen in jeder Familie gegenwärtig wie die Toten selbst, unter deren Namen an der Kirchenwand geschrieben steht:
”Betet und arbeitet für den Frieden”
Bittend, flehend, ein Auftrag mit großer Dringlichkeit.
Heute weilen nur noch wenige unter uns, die Soldaten im 2. Weltkrieg waren. Männer um die 100 Jahre alt, die von der Schulbank weg in den Krieg mussten, aus dem viele der Klassenkameraden nicht mehr zurückkehrten. Von den Schrecken des Krieges könnten auch noch jene sprechen, die ihn als Kind erlebt haben. Die Angst bei Luftangriffen. Die grauenvollen Bilder beim Laufen durch die Straße, links und rechts die aufgereihten Leichen, an zerbombten Häusern vorbei, tief haben sich traumatische Erinnerungen in die Seele jener Kinder eingebrannt, die heute in ihren 80ern und 90ern sind.
Der Krieg hört nach seinem Ende nicht auf. In den Überlebenden tobt er weiter. Davon könnten die noch lebenden Soldaten all der Kriege, die seit dem 2. Weltkrieg auf Erden geführt wurden und werden, Zeugnis geben - würde ihnen denn zugehört werden.
So bleiben wohl auch die Worte auf dem Stein im Überlinger Friedenshain ungehört, der von einstigen Feinden gemeinsam aufgestellt wurde:
”Lasst uns beten für den Weltfrieden”
80 Jahre nach Ende des 2. Weltkrieges scheint das einst im Angesicht des Grauens ausgesprochene Bitten, Flehen, Mahnen, sich für den Frieden einzusetzen in sein Gegenteil verkehrt:
”Betet und arbeitet für den Krieg.”
Nicht gebetet, sondern unablässig geredet, geschrieben, gearbeitet wird für den Krieg. Tag für Tag künden Politiker, Schlagzeilen, Funk und Fernsehen von Kriegerischem, Kriegstüchtigkeit, Aufrüstung, Wehrpflicht…
Jeder mag selbst genau hinhören und hinsehen, ob Gedanken, Worte und Werke vom Geist des Friedens getragen oder von der Orientierung am Krieg motiviert sind.
In Taisersdorf steht bei der Kirche ein Grabmal mit den Namen der im 1. und 2. Weltkrieg gefallenen Männer des Dorfes, darunter die Worte:
”Die Toten mahnen zum Frieden”
Frieden! Die Weihnachtsbotschaft! Nicht nur in der Heiligen Nacht, sondern eine Botschaft für das ganze Jahr. Nicht nur Mahnung der Toten über den Gräbern, sondern auch Mahnung der Lebenden zum Frieden. Eine Aufforderung an jeden Menschen, der guten Willens ist, Friedensbote zu sein, mit seiner Art zu leben, zu reden und zu wirken. Um der Menschlichkeit und Menschenwürde willen, die im Krieg untergeht.
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