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Menschliche Gesundheit als Spielball der Windrad-Politik.

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Menschliche Gesundheit als Spielball der Windrad-Politik.

Unser Haistergau dreht bald durch.” Mit diesem Flyertitel machte die Region um Bad Waldsee, wie viele andere Gebiete in Baden-Württemberg, darauf aufmerksam, dass der staatlich vorgegebene Windenergieausbau das Lebensumfeld der Menschen mit Windrädern zuzupflastern gedenkt. Oberbürgermeister Matthias Henne (CDU) lud deshalb zu einer Einwohnerversammlung am 17. März 2025 in die Bad Waldseer Stadthalle zur Thematik ”Windenergieausbau Bad Waldsee” ein.

Das Stadtoberhaupt mahnte an, dass die bislang undurchsichtige, von ”oben” diktierte Windkraftanlagenplanung die Sorgen und Ängste der betroffenen Menschen ernst nehmen müsse, zumal in Baden-Württemberg eine höhere Windradfläche vorgesehen ist als im Bundesgebiet. In diesem Zuge forderte er eine deutliche Reduzierung der Fläche und monierte, dass die Planer der Windkraftanlagen bislang ohne Absprachen gehandelt hätten. Die Bevölkerung wurde nach den Worten des Bürgermeisters schlichtweg nicht mitgenommen. Im Detail ging er auf die angedachte achtfache über die Landesplanung hinausgehende Projektierung im Haistergau ein, bei der sich die Bewohner der Region von Windrädern, mit all ihren Schadfunktionen, umzingelt sehen.

Dr. Wolfgang Heine, seines Zeichens Verbandsdirektor vom Regionalverband Bodensee-Oberschwaben, gab einen Überblick über die Teilregionalplanung ”Energie”. Er betonte, dass er nur der Aufgabe nachkomme, das umzusetzen, was die Wähler bei der entsprechenden Bundestagswahl aufgrund ihrer Parteienwahl selbst zu verantworten hätten. Etwas provokativ brummelte ein etwas in Distanz sitzender Zuhörer: ”Hättet ihr AfD gewählt, wärʼ euch das erspart geblieben.” Heine führte aus, da die Atomkraft und fossile Energielieferanten in Deutschland nach und nach auslaufen oder schon ausgelaufen sind, muss die Windkraft die Eckpfeiler der Energieversorgung sicherstellen. Dafür muss Baden-Württemberg 1,8 Prozent der Fläche für Windenergie und 0,2 Prozent für Solarenergiegewinnung zur Verfügung stellen.

Der Verbandsdirektor betonte, bei der Planung seien zahlreiche Faktoren zu berücksichtigen – dabei kommt der Windkraft (Windleistungsdichte) vorrangiges Interesse zu. Sie ist im windarmen Baden-Württemberg beziehungsweise in der Bad Waldseer Region in drei Stärkeklassen eingeteilt worden. Limitierend wirken Konflikte wie Artenschutzräume, Flora-Fauna-Habitate, bebaute Flächen, Siedlungen und Wasserschutzgebiete, die bei der Planung unter den Stichworten Mensch, Boden, Wasser, Klima/Luft, Landschaft, Kultursachgüter und Flora/Fauna/biologische Vielfalt beachtet werden. Bei Einzelhöfen wird ein Windradabstand von 600 Metern und bei Siedlungen von 750 Meter eingehalten. Unter Einbezug der Windleistungsdichte und der Konfliktzonen hätte sich unter anderem der Haistergau als vorrangige Windrad-Region erwiesen, führte Heine aus.

Bei allem Verständnis für den Argwohn der Anwohner zu den geplanten Windrädern gab er zu bedenken, dass mit der Regionalplanung den Menschen ein Gefallen getan wird. Denn kommt es nicht zum Erreichen der 1,8 Prozent Windkraftanlagenfläche, tritt die sogenannte Superprivilegierung in Kraft. Das bedeutet den Verlust jeglicher räumlicher Steuerungsoption.

Vom Landratsamt Ravensburg sprach Amtsleiter Peter Neisecke zum Ablauf des Genehmigungsverfahrens. Es war erstaunlich zu erfahren, dass für die Genehmigung vereinfachte Regeln vorliegen – so fällt zum Beispiel eine Artenschutzprüfung weg, wenn alles andere stimmt. Haben die Planer einen Eigentümer gefunden, welcher den Bau eines oder mehrerer Windräder auf seinen Flächen erlaubt, vergehen etwa eineinhalb Jahre bis zum Bau.

Neisecke erwähnte, dass von den rund 100 Mitarbeitern im zuständigen Amt 50 Prozent mit den Windkraftanlagen beschäftigt seien. Stellt sich nach dem Bau heraus, dass eine Anlage mit nicht zugelassenem Lärmpegel arbeitet oder anderweitig von der Norm abweicht, kann sie stillgelegt werden. Für den Rückbau müssen für jedes Windrad 250.000 Euro deponiert werden.

Die ”Bürgerrunde Haistergau”, ein Zusammenschluss windradkritischer Bürger, monierte, dass man von offizieller Seite bislang völlig im Unklaren gelassen wurde, wie viele Windräder gebaut werden sollen. Nach einer Hochrechnung des Regionalverbandes müssen die Haidgauer mit 22 Windrädern rechnen, die eine Höhe von etwa 265 Metern haben. Zugleich monierte die Bürgerrunde, dass die Topografie mit Hanglagen ein kritisches Risiko berge. Besonders die von den Windrädern ausgehenden Wirbelschleppen und die erhöhte Kontamination mit gesundheitsschädlichen Ewigkeitschemikalien machen den Menschen Angst und sorgen so zusätzlich für gesundheitsschädlichen Stress. Es wurde deutlich, dass die Anrainer den Windrädern ausgeliefert sind, denn die Kommune hat keine Einspruchsmöglichkeit und das Landratsamt ist verpflichtet, Genehmigungen zu erteilen.

Im Dialog ”Bürger und Obrigkeit” kam zur Sprache, dass die Häuser in Windradnähe an Wert gemindert werden würden. Das wurde jedoch von offizieller Seite mit dem Hinweis verneint, eine Handvoll Studien hätten die Sachlage untersucht und keine Bestätigung dafür gefunden. Schaut man sich jedoch die Region Dithmarschen mit ihren zahlreichen Windrädern an und andere Regionen, erkennt man schon ein Preisgefälle – klar, dass man das offiziell nicht einräumt.

Aus dem Auditorium machte der Physiker Dr. Wolfgang Hübner, dem der Moderator seinen Wortbeitrag entziehen wollte, darauf aufmerksam, dass Windräder neben Schattenwurf, Schall und Infraschall mit all ihren gesundheitsschädlichen Auswirkungen auch ein recht kräftiges Luftdruckfeld im Sekundentakt durch die rotierenden Flügel erzeugen. Welche gesundheitlichen Schäden dadurch entstehen, ist nach Aussage des Physikers noch gar nicht untersucht worden, auch nicht die Vibrationen auf die Bausubstanz der Häuser. Deshalb hat er eine entsprechende Anfrage an die Verantwortlichen gestellt, die seit zwei Jahren unbeantwortet blieb. Da es um die Gesundheit der Bürger geht, ist für Hübner das Schweigen unverständlich.

Hinsichtlich der Luftdurchmischung durch Windräder mit dem Ergebnis einer Temperaturveränderung gibt es laut den Verantwortlichen nur Untersuchungen bei Windanlagen im Meer, jedoch nicht bei Anlagen auf dem Land. Anzufügen wäre, dass inzwischen sehr wohl entsprechende Studien vorhanden sind, welche die Luftdurchmischung negativ einstufen.  

Auf die Frage, wie man nach Genehmigungserteilung die Windraderstellung noch verhindern könne, gab es die klare Ansage, nur bei einem Fehler im Genehmigungsverfahren kann erfolgversprechend geklagt werden, ansonsten ist die Klage aussichtslos. Heine rechnet mit Klagen, bevor es zu Genehmigungen kommt. In diesem Fall muss er vor Gericht begründen, weshalb er gerade die beklagten Flächen zwecks Windraderstellung ausgewählt hat.

Als Fazit bleibt festzuhalten, dass laut Windatlas Baden-Württemberg ein windschwaches Bundesland ist. Deshalb lohnt sich ein Windrad im Vergleich zu Norddeutschland nicht, jedoch machen die Subventionen aus Steuergeldern dieses Defizit anscheinend wett. Unter der Vorgabe der bislang gar nicht oder nur unzulänglich untersuchten Gesundheitsschädigungen durch Windräder und hohe Verluste in der Tierwelt ist Windkraft in Baden-Württemberg zumindest kritisch zu hinterfragen, was jedoch aufgrund der generellen Flächenausweisung für Windräder nicht geschieht.

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