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Warum hatte Johanna Findeisen Kontakte zu "Reichsbürgern“? Hier spricht ein Freund.

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Warum hatte Johanna Findeisen Kontakte zu "Reichsbürgern“? Hier spricht ein Freund.

Der “Spinnaker“ gehört zum engsten Freundeskreis von Johanna Findeisen. Er kennt die "Hobby-Seglerin“ seit 16 Jahren. In einer alten Familientradition blickt "Spinnaker“ auf eine jahrzehntelange Karriere als international anerkannter Regattasegler zurück, und ist Mitglied in einem Segelclub am Bodensee. Man könnte diesen Mann also als eine Art Leumundszeugen für Johanna Findeisen bezeichnen. "Spinnaker“ ist ein explizit von dem Mann gewähltes Synonym, dessen vollständiger Name und Anschrift der stattzeitung.org bekannt ist.

Immer wieder berichtet stattzeitung.org über Johanna Findeisen aus Frickingen am Bodensee, die im Rahmen der sogenannten "Reichsbürger-Prozesse“ um Heinrich XIII. Prinz Reuß in Frankfurt der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung und des Hochverrats angeklagt wird. Die 54-jährige Mutter von drei erwachsenen Kindern sitzt seit rund eineinhalb Jahren in Untersuchungshaft. Ihr wird in Summe vorgeworfen, Mitglied einer terroristischen Vereinigung zu sein, die mit Waffengewalt einen Umsturz der Bundesregierung herbeiführen wollte. Angeklagt sind neben Findeisen 25 angebliche Mitglieder der sogenannten "Reichsbürger“. Gegen den Trend in den Mainstream-Medien zeigt stattzeitung.org immer wieder das Bild einer beherzten und sozial kompetenten Frau. "Johanna wäre eher dazu bereit, alles für einen guten Zweck zu herzugeben, als die Hand gegen jemand zu erheben“, sagt der "Spinnaker“. Dieser Eindruck entsteht tatsächlich aufgrund der Aussagen von Menschen aus Findeisens direktem Umfeld. Diese Menschen reden jedoch nicht mit jedem.

Dieser Tage hat sich zum dritten Mal die Flutkatastrophe im Ahrtal gejährt. Auch dort war Johanna Findeisen mehrere Wochen vor Ort, um zu helfen. Da hat sie auch den ehemaligen Oberst der Bundeswehr, Maximilian Eder, kennengelernt. "Johanna kam aus dem Ahrtal sehr verstört zurück“, erinnert der "Spinnaker“. Johanna habe oft darüber gesprochen, dass sie sich nun vermehrt gegen den institutionellen Kindesmissbrauch einsetzen wollte. Dies kam ihrer Persönlichkeit, die sich ganz besonders in ihrer bisherigen "Lebenshilfe-Arbeit“ mit inklusiven Kindern und jungen Erwachsenen ausdrückte, sehr nahe. Johanna Findeisen erzählte dem "Spinnaker“, sie wolle jetzt auch Geld sammeln für die Opfer der Ahrtal-Katastrophe, und für Kinder, die das Opfer "pädosexueller“ Gewalt geworden waren.

Wieder einmal zeigt sich, dass sich das Bild, der gefährlichen und gewaltbereiten Terroristin Johanna Findeisen, das in den Mainstream-Medien und insbesondere dem hiesigen Lokalblatt von ihr kreiert wird, nicht mit den bisherigen Recherchen von stattzeitung.org deckt.  

Prinz Reuß, so "Prozessbeobachtungen“ vom 17. Juli, dem letzten Verhandlungstag vor der vierwöchigen Verhandlungspause am OLG Frankfurt, soll von einem unterirdischen Tunnelsystem und einem damit zusammenhängenden Kindesmissbrauch überzeugt gewesen sein. Er soll dafür Geld zur Verfügung gestellt haben, und nicht um den Reichstag zu erstürmen, dies soll aus einem Chatverlauf hervorgehen, so sein Anwalt Sieg. Generalbundesanwalt Dr. Maslow tritt diesen Einlassungen, wie bisher auch, entschieden entgegen.

Wie aber kamen Findeisens Kontakte zu Heinrich XIII. Prinz Reuß, dem ehemaligen Polizisten Michael Fritsch, oder Maximilian Eder überhaupt zustande? Was wollte die sozial engagierte Frau von diesen Menschen? Was versprach sie sich von ihnen? Wieso traf sie sich mit ihnen?

Hier ein Erklärungsversuch: Es spricht der "Spinnaker“, ein Segler-Freund, Berater und enger Vertrauter der Angeklagten. Er ist gleichzeitig auch einer der 260 Zeugen in dem Verfahren gegen Prinz Reuß. Der Grund dafür ist: "Spinnaker“ war bei einem Treffen mit dem Prinzen dabei, und könnte zur Erhellung der Indizienlage beitragen. Zeuge ist "Spinnaker“ ausdrücklich nur im Verfahren Prinz Reuß, nicht gegen Johanna Findeisen.

Interview mit "Spinnaker“ (Spi)

s!!z: ""Spinnaker", was können Sie uns zum Kontakt zu Prinz Reuß und zum sozialen Engagement von Frau Findeisen sagen?"

Spi: "Johanna Findeisen wurde vom Landgericht Konstanz immer wieder als gerichtliche bestellte Betreuerin beschäftigt, ich meine in 37 Fällen, darüber gab sie wöchentlich Rapport. Sie stand im ständigen Kontakt mit dem Amtsgericht Überlingen, und arbeitete für den Staat.
Coaching, Betreuung und ihre politische Arbeit für die Partei "DieBasis“ waren ihre drei Betätigungsfelder. Im Feld Betreuung erarbeitete sie im Jan/Feb 2022 ein Coaching-Angebot an den Prinzen Reuß für seine am Down-Syndrom (Trisomie 21) erkrankte Tochter. Kaufmännisch unterstützte ich sie dabei. Dieses Angebot war ziemlich umfangreich und umfasste circa zwei DIN-A4-Seiten. Die Tochter des Prinzen Reuß sollte im Rahmen eines "Lebensbild-Trainings“ auch in Findeisens Haus in Frickingen untergebracht werden. Der Plan war damals, dass die junge Frau im "Lagerhäusle“, einer Einrichtung der Camphill-Heilstätten in Frickingen, mitarbeitet. Darüber hinaus war auch ein umfangreicher Segelkurs geplant in Radolfzell-Moos beim integrativen Segelverein Bodensee e.V., den ich seit Jahren unterstütze und ihm neue Segel bringe. Für dieses "Lebensbild-Training“ waren Kosten von monatlich 3.780€ im Angebot ausgewiesen, das weiß ich noch ganz genau. Die Zusammenarbeit mit dem wohlhabenden und bekannten Prinzen sollte sich, so die berufliche Konzeptentwicklung, auch positiv auf Findeisens Karriere auswirken. Für das Marketing ihres "Findeisens-Coaching“ sollte dadurch eine Referenz entstehen. Ob sie dieses Angebot letztlich an den Prinz Reuß übergeben hat, weiß ich nicht. Die Unterlagen dazu, befindlich in einem karierten Ordner, sollten sich nun, nach der Hausdurchsuchung, vermutlich in den Händen der Generalbundesstaatsanwaltschaft befinden.“

s!!z: "Wie kam es zu Anfang Findeisens politischer Entwicklung bei der Partei "DieBasis“ überhaupt zu den Kontakten zu Personen, die jetzt den "Reichsbürgern“ zugeschrieben werden?"

Spi: "In der Gründungsphase ihrer politischen Arbeit für die Basis (Partei) kam es zwischen uns zu einem analytischen Strategiegespräch, in dem wir beide folgendes erarbeitet haben. Generell gilt in einer freien Demokratie, dass man sich mit allen Strömungen der politischen Willensbildung unterhält. Niemals schlägt ein Jungpolitiker dogmatisch die Tür zu, war ein Leitsatz. So lernte Johanna in sehr hoher Geschwindigkeit viele Menschen aus allen Lagern kennen, beispielsweise aus der CDU, FDP und so weiter. Ganz offensichtlich lernte Johanna in dem Bundestagswahlkampf-Sommer im August in Berlin, das war eine Mischung aus SPD-Buden und Q-Anon-Ständen, auch den für die Basis-Partei zur Bundestagswahl antretenden Michael Fritsch kennen. Fritsch ist jetzt einer der Angeklagten im sogenannten "Reichsbürgerprozess“. Der ehemalige Hauptkommissar, Tätigkeitsbereich Verbrechens-Prävention, stand in Berlin bei der großen Demonstration auf der Bühne, mit einem T-Shirt, das ihn als Bundestagskandidaten für die Partei "DieBasis“ kennzeichnete.  Maximilian Eder, ebenfalls mitangeklagt, lernte Frau Findeisen im Rahmen ihrer Spendensammlung im Ahrtal kennen. Ihre Aufbauarbeit für den Wahlkampf 2021 für die Partei „DieBasis“ war meiner Meinung nach die Grundlage für ihre Kontakte und Nähe zu diesen Personen.“

s!!z: "Haben Sie jemals Hinweise auf eine Radikalisierung von Johanna Findeisen festgestellt?"

Spi: "Terrorbegriffe sind zwischen uns und in meiner Anwesenheit niemals gefallen. Ich kenne Johanna seit 16 Jahren, und ich habe niemals eine Radikalisierung bei ihr gesehen. Johanna Findeisen war und ist für mich eine Friedensaktivistin. Der deutsche Bürger sei aufgrund der einseitigen Berichterstattung in öffentlich-rechtlichen Medien politisch inkompetent geworden, war eines ihrer mit großer Besorgnis geäußerten bevorzugten Statements. Frau Findeisen ist seit zweieinhalb Jahren verlobt mit einem Schwarzafrikaner aus Gambia, das steht doch der Reichsbürger-Ideologie komplett entgegen, gebe ich diesbezüglich zu Bedenken. Ich kann mir insofern auch nicht vorstellen, dass Johanna sich im innersten Kreis dieser Reichsbürger bewegt haben soll.“

s!!z: "Johanna Findeisen segelt auch und Sie haben ihr einiges seglerisch beigebracht, ferner verkehrte sie ja auch bei einigen Festivitäten in dem Segelclub, dem auch Sie angehören. Wie würden Sie den Charakter von Frau Findeisen beschreiben, beziehungsweise wie haben Sie Johanna in dieser aufgewühlten Zeit ihrer politischen Findungsphase wahrgenommen?"

Spi: "Johanna kam mir manchmal vor wie die Romanfigur einer schwedischen Kinderbuchautorin, alle zwei Wochen ein neues Abenteuer. Ich habe mich immer dafür eingesetzt, die Johanna auf sachfundierte Trennschärfe in ihrer politischen Arbeit hinzuweisen.“

s!!z: "Ist Ihnen bekannt, dass Findeisen bei einem Verwandten um Geld gebeten hat, um diese "Reichsbürger-Gruppe“ zu bewaffnen?"

Spi: "Mir ist lediglich bekannt, dass Johanna stets bemüht war, Spenden für Pädophilie-Opfer sowie Hilfe für die Menschen im Ahrtal zu sammeln.“

s!!z: Glauben Sie, dass Johanna Findeisen im Prozess ihre Unschuld beweisen kann?

Spi: "Deutsches Strafrecht hantiert nach dem Bonner Mosaik in einer Indizienlage, dem beigeordnet vertraue ich vollumfänglich auf das Lichte der Rechtstaatlichkeit gemäß §129A. Was ist dieser Gründungsvorwurf einer terroristischen Vereinigung? Wenn ich mich also morgen am Stammtisch treffe und zuhöre, wäre ja fast jeder deutsche Stammtisch eine Gründung einer terroristischen Vereinigung. Tatmachbarkeit und Hirngespinst sind zu unterscheiden.“

s!!z: "Wie sehen Sie, als deutscher Bürger, die Möglichkeit dieser jetzt angeklagten Gruppe einen Putsch in Deutschland herbeizuführen?"

Spi: "Ich empfinde das Ganze als Biertischklamauk, da die Alliierten nach dem 2. Weltkrieg die BRD als Föderalstaatssystem errichtet haben, so würde das Einnehmen des Reichstages noch lange nicht die verbleibenden Bundesländer betreffen. Zweitens wäre ein solcher Akt aus militärischer Sicht nie zu halten, da die in Deutschland stationierten 36.000 amerikanischen GI´s ihrer NATO-Verantwortlichkeit nie in den Rücken fallen würden.

s!!z: "Und die Bürgerwehren, die angeblich bereitstehen sollten, wie im Mainstream berichtet?"

Spi: "Wo sollen die denn sein, und die bräuchten für diesen Putsch eine dreifache Überlegenheit, also 90.000 Mann- nur gegen die GI´s, die Bundeswehr noch gar nicht mitgerechnet.“

s!!z: "Eine letzte Frage habe ich. Nehmen Sie die Berichterstattung in den Mainstream-Medien zum "Fall-Findeisen“ wahr, und wie empfinden Sie diese?"

Spi: "Ich nehme sie wahr und empfinde es als befremdlich zwischen den Zeilen eine Art Vorverurteilung erkennen zu können.“

s!!z: Danke für das Gespräch.

(Anmerkung der Redaktion: Der Spinnaker oder kurz Spi ist ein besonders großes, bauchig geschnittenes Vorsegel aus leichtem Tuch, das vor dem Wind und auf Raumschotskurs zur Vergrößerung der Segelfläche eingesetzt wird. Quelle: Wikipedia)

Lesen Sie demnächst hier bei stattzeitung.org: "Die Haftbedingungen für Johanna Findeisen gleichen einer Schlachtviehhaltung“, Strafverteidiger Prof. Dr. Martin Schwab

Zur Chronologie des Falles "Johanna Findeisen"

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