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Spiel, Satz und Sieg für "Weidels Leute“.
- Der AfD-Parteitag in Rottweil begann mit Chaos.
- Am Samstagabend war jedoch das Etappenziel erreicht.
- Co-Vorsitzende Weidel als “Fitnesstrainerin” vor den Wahlen.
- Frohnmaier und Sänze setzten sich klar an der Spitze durch.
- “Quertreiber” Dirk Spaniel darf nun seine Wunden lecken.
- Ein exklusives stattzeitungs-Interview mit Dr. Alice Weidel sehen Sie in "Alice Weidel im Interview: Von der "Vermachtung“ der Exekutive."
Auf ihrem außerordentlichen Landesparteitag in Rottweil votierten am Samstagabend rund 900 AfD-Mitglieder für die neue (alte) Doppelspitze Markus Frohnmaier (75,7%) und Emil Sänze 76,46%). Damit hat sich der liberale Flügel klar gegen das Lager von Dirk Spaniel durchgesetzt, der den Landesverband Baden-Württemberg gerne angeführt hätte. Das Votum der Mitglieder darf auch als Triumph der Parteichefin gewertet werden, denn Alice Weidel und ihr Bundestagskollege Markus Frohnmaier kennen- und verstehen sich gut.
Dieser erste Tag des zweitägigen Parteitags der AfD Baden-Württemberg, die immer schon ein "Problemkind“ der AfD-Familie war, ließ Parteigänger inklusive ihrer Frontfrau Dr. Alice Weidel sich abwechselnd die Haare raufen und den Kopf schütteln. Maßgeblich wichtig ist jedoch, dass Weidels "mission possible“ gelungen ist, nämlich die Landes-AfD vor den Europa- und Kommunalwahlen zu einen und "fit“ zu machen, wie die Bundesvorsitzende es selbst in ihrer Rede nannte.
Auf einen spektakulären Auftakt mit stundenlangem nervenzerrenden Hin und Her, ob man den gesamten Parteitag aufgrund der beschränkten Platzverhältnisse und hohem Ansturm der Parteigänger nun absagen müsse, und daraus folgernd eine stundenlange Geduldsprobe der wartenden Mitglieder vor der Stadthalle, folgte ein fast ebenso langes Gezerre über kleinteilige Detailfragen. Minutenlange Buhrufe erntete beispielsweise Raimund Hoffmann, aus dem Kreis um Dirk Spaniel, der mehrfach die Veranstaltungsleitung kritisierte.
Man konnte den Eindruck erhalten, dass es sich dabei hauptsächlich um eine Verzögerungstaktik gehandelt hatte. In einem fast wutschnaubendem Appell machte sich Weidel gegen Abend Luft, und forderte die Anwesenden auf, endlich zu den Wahlen zu kommen, das saß und sie erhielt großen Beifall. Aufgrund dieser Vorgänge bleibt allerdings abzuwarten, ob sich der "Verlierer“ Dirk Spaniel (MdB) dem Mitgliederentscheid beugt oder den gesamten Parteitag anfechten könnte.
Alice Weidel rief in ihrer eindringlichen Rede zu Beginn die Mitglieder zum Zusammenhalt auf: "Wir können es uns nicht leisten, einen Konflikt im Landesverband in die Länge zu ziehen. Wir müssen daher dieses Wochenende die nötigen Weichen stellen, denn in unserem Land brennt der Kittel“, appellierte "die Chefin“. Sie habe Sorge und ihr liege der Landesverband am Herzen, betonte die Co-Vorsitzende der AfD. Weidel thematisierte in ihrer Rede auch die desaströse Bundespolitik, und nannte dazu aktuelle Beispiele, wie das der Firma Stihl, die ihre Produktion nun in die Schweiz verlagern will, statt am Standort Deutschland ein neues Werk aufzubauen. Bemerkenswert an dieser Tatsache ist, dass trotz der höheren Löhne in der Schweiz die "Bürokratiekosten“, auch hinsichtlich des neuen "Lieferkettengesetz“, es für das Unternehmen nun sogar lohnender machen, in die "Hochpreis-Schweiz“ zu gehen, an Stelle in Deutschland zu investieren.
Landwirte, Handwerker, Spediteure, Mittelständler würden von der Politik dieser Regierung Zug um Zug gegängelt, ausgeplündert- und um die Früchte ihrer Arbeit gebracht, so die Bundessprecherin der AfD.
"Da ist dann auf einmal die Demokratie in Gefahr, wenn die Leute keine Lust mehr haben, ihnen kritiklos zuzujubeln, und ihnen unverblümt die Meinung sagen“, stellte Weidel unter Beifall fest.
Den außerordentlichen Parteitag der Landes-AfD hatten 22 der 37 Kreisverbände herbeigeführt, um die Streitereien der beiden Lager vor den anstehenden Wahlen zu beenden, und sich Klarheit über die Parteiführung zu verschaffen. Dass der Parteitag mit einem Sieg des bestehenden Führungstrios, den beiden Landessprechern Frohnmaier und Sänze endete, kann als Spiel, Satz und Sieg für Weidel gewertet werden, deren Widersacher Spaniel einen empfindlichen Dämpfer hinnehmen musste. Markus Frohnmaier bot in seiner Rede allen Parteimitgliedern eine gute Zusammenarbeit an, und wirkte versöhnlich.
Das Chaos dieses Parteitags kam ganz wesentlich dadurch zustande, dass die Rottweiler Stadthalle über rund 1.000 Plätze verfügt, sich aber deutlich mehr Mitglieder der Partei eingefunden hatten, als wohl erwartet wurden. Dies hatte zur Folge, dass die Halle zeitweilig wieder geräumt werden musste, um dann explizit nur Parteimitglieder in größtmöglicher Zahl unterzubringen. Die damit verbundenen Strapazen für alle Beteiligten hätte man sich ersparen können, wenn man stattdessen einen Delegierten-Parteitag abgehalten hätte. Dass die Alternative für Deutschland sich in dieser heiklen Situation und der Frage der Führung in Baden-Württemberg dem Votum ihrer Mitglieder versicherte, zeigt von großem Demokratiebewusstsein.
Sehen Sie, liebe stattzeitungs-Leserin, lieber stattzeitungs-Leser, hierzu auch das exklusive Interview "Alice Weidel im Interview: Von der "Vermachtung“ der Exekutive.". Darin äußert sich die AfD-Parteichefin zum Parteitag, zur Bundespolitik und zur Lage der AfD nach den Demontage-Versuchen der Altparteien.
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