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Zeitung geht (anders).
Kehraus am “Schmotzige Dunschtig”? Ja was ist denn da los in Überlingen? Narrentreiben in der Geschäftsstelle der Lokalzeitung in der Mühlenstraße im “Postgebäude”, das war einmal, das kommt nicht mehr wieder. Zieht sich eine Zeitung aus einer Stadt zurück, ist sie auch bald ganz weg vom Fenster. Ein ewiger Aschermittwoch könnte folgen, und wäre eine schwarze Aussicht in die Zukunft des Konstanzer Medienhauses.
"Platzhirsch“ war das Blatt einst im Herzen der Altstadt, der Hofstatt, ja das waren noch Zeiten... Da konnte man aus den Redaktionsetagen schön den Narren beim Walzertanzen am traditionellen "Hänselejuck“ zuschauen. Am "Fasnets-Samschtig“, wenn die ganze Bodenseestadt schunkelt.
Es hat sich ausgeschunkelt in Sachen "Meinungs-Monopol“.
Als es noch eine Post gab in Überlingen, sie ist wohl letzten Sommer der Vorbote der Zeitung gewesen, wanderten die Medienschaffenden ins "Hebsackerhaus“, schon etwas weiter aus der Stadt raus Richtung Osten- aber man brauchte mehr Platz als in den engen und kleinen ehemaligen Büroräumen.
Während "Corona“ schnitt sich das Lokalmedium von seinen Lesern ab. Geschlossen wurde die Geschäftsstelle- und sie blieb es auch. Vorbei die Zeiten als man am "Schalter“ noch die Todesanzeigen aufgab, oder sich beim Redakteur den Kropf leeren konnte- weil der mal wieder was "Falsches“ geschrieben hatte. Die Mitarbeiter saßen hinter verschlossenen Türen, die Journalisten im Homeoffice. Die Post war übrigens auch ständig zu, erinnert ihr euch noch?
Die Post öffnete dann noch mal für kurze Zeit regelmäßig- und machte dann ihre Türen für immer zu. Brief war gestern. Mail ist heute. Aber will man das?
Die Zeitung jedenfalls blieb unerreichbar für die sogenannte Öffentlichkeit, die man doch so sehr erreichen will.
In Zeiten rasant schwindender Auflagen schwindet das gedruckte Produkt mit Mehrwert aus unserem Leben. Stichwort Mehrwert, das kann die Biomülltonne sein, oder eben die Fliege an der Wand.
Stück für Stück wird dereinst komplett in der Versenkung verschwinden, und in Vergessenheit geraten, was einmal in den 1940ern begann.
Zugegeben, die überregionalen Qualitäten waren ja schon immer Mittelmaß und vom einstigen Markenkern, der intensiven Lokalberichterstattung, hat man sich aus unternehmenspolitischen Gründen seit Jahren immer mehr verabschiedet. Der pfiffige "Leser“ verzichtet längst auch auf das Online-Angebot, denn "News“ gibt’s ja komplett für "umme“ (kostenlos) in den Sozialen Netzwerken. Ein durchaus beklagenswerter Niedergang eines ganzen Berufsstandes, denn journalistische Arbeit hat ihren Preis und einen Wert.
Nur Zeitgeist?
Ausgeschlafene Bürger haben den Anspruch, unabhängig und kontrovers informiert, statt unisono berieselt zu werden. Diesen Anspruch gaben viele Zeitungen während der "Corona-Plandemie“ komplett auf- zugunsten eines farb- und anspruchslosen Haltungsjournalismus. Wankelmütige Journalisten, gefangen in starren gestrigen politischen Konstrukten sind die Macher dieser einseitigen Informationen. Der "Leser“ ist schlauer und sieht, was er sieht, bevor er liest, was er glauben soll.
Schade! Das war schon damals in den 1990ern ein ganz besonderes Gefühl, wenn am Konstanzer Fischmarkt die Rotation los ratterte, und wir alle wussten "die Zeitung läuft“. Wehe, wenn das Band plötzlich stillstand, dann hielten wir alle die Luft an. Dr. Mario Garcias revolutionäres Zeitungsdesign war in den 1990ern das äußere Erscheinungsbild einer modernen Zeitung. Längst vergangen. Journalistenpreise, die man sich in der Branche jetzt gerne selbst verleiht, konnten das Image auch nur oberflächlich und vielleicht an einer Stelle polieren. Diffamierungen und Herabsetzungen anderer Medien verpuffen.
Der größte Kredit der Leserschaft, das Vertrauen, ist und bleibt verspielt. Da beißt die Maus´ kein´ Faden ab.
Nun also wurde der Namen schon mal abmontiert, und wir dürfen annehmen, der "Letzte“ macht das Licht aus. Der Südkurier wird wohl noch eine Weile erscheinen, und sorry, die stattzeitung.org hat kein Interesse an den Räumlichkeiten. Um unsere viele tausend Leser zu erreichen, braucht man 2024 nur eine stille Ecke, und ein Laptop. Ok, etwas mehr vielleicht schon. Mut gehört unbedingt dazu.
Ich jedenfalls verabschiede die neun großen Buchstaben der einst so stolzen Zeitung nun mit einiger Wehmut, das gestehe ich freimütig. Viele weitere Buchstaben werden fallen, von Fassaden- und aus dem Papier, das lange genug geduldig war!
Deshalb kann ich es mir auch nicht verkneifen, dem gefallenen Namen doch noch ein freches "und Tschüss“ hinterherzurufen.
Sic transit gloria Mundi. Oder: Ihr habt's nicht anders verdient!
Spekulieren wir also munter weiter wie es weitergeht- und wünschen allen die das gerne mögen eine "glückselige Fasnet“. JUHU!
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