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Aiwanger muss weg! Söder auch!
Wissen Sie noch, was Sie mit 16 so alles getan und getrieben haben? Ich weiß das noch sehr gut, und einiges davon würde ich heute so nicht mehr machen. Im Abbruchhaus rauchen, die Ente meiner Lehrerin mit Himbeersaft einreiben, "Atomkraft - Nein Danke" auf fremde Autos kleben. Manches habe ich auch vergessen. Ein antisemitisches Pamphlet hat sich zu keiner Zeit nie in meinem Schulranzen befunden, da bin ich mir absolut sicher. In Ihrem?
Das "Aiwanger-Flugblatt" ist abstoßend und nicht akzeptabel, da gibt es für mich keinen Zweifel. Zweifeln darf man am Zeitpunkt des Erscheinens, wenige Wochen vor der Bayern-Wahl. Hat es in Journalisten-Lehrer-Schubladen geschlummert, und nur auf den richtigen Zeitpunkt gewartet? Und wenn ja, kann man die Veröffentlichung deshalb als Schmutzkampagne bezeichnen? Ich meine nicht. Wohl kann man über die Hintergründe spekulieren, mehr und mehr dazu wird an die Öffentlichkeit gelangen. Der Inhalt des "Flugblatts" ist jedoch bereits eine feststehende Tatsache, die Verwicklung des stellvertretenden bayerischen Ministerpräsidenten Hubert Aiwanger auch. Das Wort "Jugendsünde" halte ich in diesem Zusammenhang für falsch, dennoch ist es richtig, dass Aiwanger Gelegenheit erhielt für Erklärungen und zu Distanz. Diese Erklärungen und das "Scharwenzeln" zwischen geheuchelter Reue und Opferhaltung sind für mich ein zweiter schwerer Fehler des Spitzenpolitikers. Damit hat sich Aiwanger komplett disqualifiziert. Freie Wähler, die an ihm als Spitzenkandidat für die Wahl festhalten, sind für mich so irritierend, wie das zusammenhanglose Gestammel vom Fraktionsvorsitzenden Florian Streibl am Sonntagabend im ZDF.
Möglich, dass man nun an Aiwanger Rache nimmt für seinen "Gruber-Auftritt" und sein opportunistisches "wir holen uns die Demokratie zurück". Ein aufgeregtes "Beispringen" vom Widerstand der Straße ist meiner Meinung nach jedoch zu kurz gesprungen in dieser unappetitlichen Angelegenheit. Weder Monika Gruber und ihre "geimpften" Freunde, noch die schwurblerisch-verstrickten Politiker der CSU und der Freien Wählern sind die wahren Freunde der Résistance!
Kommen wir zur Rolle von Markus Söder, und für ihn gibt es ein herrliches bayerisches Wort: "Schmutzeln". Söder "schmutzelt" wieder. Zutreffender kann man es gar nicht bezeichnen! Und dieser Mann will Kanzler werden? Ich frage Sie, gibt es eine Steigerung von "Dauer-Grinse-Olaf"? Ja. "Ohne-Rückgrat-Markus".
Hatten Sie ein deutliches Eintreten für Aiwanger in Sachen "Schmutzkampagne" seitens der AfD erwartet? Nun, ich nicht. Alice Weidels Rede in der politischen Bierzelt-Atmosphäre des "Gillamoos" wäre die Gelegenheit dazu gewesen. Weidel schwieg. Offenbar gibt es für Pamphlet, Aiwanger und Söder nicht das geringste Verständnis und Null-Toleranz der AfD-Frontfrau, so jedenfalls interpretiere ich das. Klug.
Wie aber verhalten sich jetzt jene Politiker, und dazu gehört vor allem Markus Söder, die stets ihr Weihwasserfläschchen herausholen, wenn sie einem AfD-Politiker begegnen (müssen)? Nicht auszudenken, wenn dieses fürchterliche Papier einem Björn Höcke aus dem Rucksack gesprungen wäre. Ist es aber nicht. So hält sich der kollektive Aufschrei aller deutschen Antisemiten sehr in Grenzen. Ist ja auch kein Landespolitiker aus Thüringen, sondern nur die Landesregierung des größten deutschen Bundeslandes Bayern.
Hubert Aiwanger muss zurücktreten und Markus Söder sollte ihm folgen. Beide werden jedoch vermutlich an ihren Ämtern kleben, und damit ein deutliches Beispiel geben, wie ernst es ihnen mit dem Antisemitismus in Deutschland wirklich ist.
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