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stattzeitung.org trifft Augenzeugen zu Johanna Findeisens Russland-Kontakten.

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stattzeitung.org trifft Augenzeugen zu Johanna Findeisens Russland-Kontakten.
Bild: Stef Manzini
Bild: Stef Manzini

Ist Johanna Findeisen aus Frickingen am Bodensee tatsächlich eine gefährliche Terroristin, die mithilfe von Waffengewalt und durch Unterstützung "ausländischer Mächte" einen Regierungsumsturz in Deutschland herbeiführen wollte? Oder ist Johanna Findeisen vielmehr das Opfer eines Justiz-Irrtums? Wurden falsche Rückschlüsse von der Generalbundesanwaltschaft hinsichtlich Findeisens Kontakten zu Russen gezogen?

Zumindest interpretationswürdig erscheint der gegen Johanna Findeisen erhobene Vorwurf, Kontakte zu russischen Diplomaten zum Zwecke einer Bewaffnung der "Reichsbürger-Szene" um Heinrich XIII. Prinz Reuß, gepflegt zu haben. Reuß, der laut einer MDR-Recherche ab November 2022 Mailkontakte zum russischen Generalkonsulat in Leipzig gehabt haben soll, sitzt aktuell wie Johanna Findeisen in Untersuchungshaft.

Zur Chronologie des Falles "Johanna Findeisen"

stattzeitung.org hat im Zuge einer Recherche zu den Kontakten zu russischen Diplomaten einen Augenzeugen getroffen, der Johanna Findeisen im Dezember 2022 in Baden-Baden mehrere Tage lang begleitet hat. Johanna Findeisen, die im Landesvorstand Baden-Württemberg der Partei "dieBasis" ist, war vom Ortsverband der Basis Baden-Baden eingeladen worden, um dort bei einer Demonstration zu sprechen (sehen Sie hierzu "Gefährliche Terroristin, oder unliebsame Aktivistin? Der "Fall" Johanna Findeisen."). Während ihres insgesamt dreitägigen Aufenthalts in der Stadt im Südschwarzwald war Findeisen von den Mitgliedern des Ortsverbands der Basis zu einem Stadtrundgang und einem klassischen Konzert ins Parkhotel Atlantik eingeladen worden. Es wurden von der Partei hierfür Eintrittskarten gekauft. Bei diesem Konzert der "Deutsch-Russischen Kulturgesellschaft Baden-Baden" war auch der neue Generalkonsul der Russischen Föderation Ivan Khotulev zugegen. Dies ist insofern nicht ungewöhnlich, als dass Konzerte in diesem Format meist von russischen Diplomaten besucht werden. Der Augenzeuge, dessen Name der stattzeitungs-Redaktion vollständig bekannt ist- und von dessen Aussage der Redaktion auch ein Tondokument vorliegt, beschreibt glaubhaft ein mehr oder weniger zufälliges Aufeinandertreffen Findeisens mit diesem Diplomaten. "Herr Khotulev ist extra für das Konzert nach Baden-Baden gekommen, und nicht wegen Johanna Findeisen", so der Augenzeuge, ein russisch sprechender Mann jüdischer Abstammung. Johanna Findeisen hatte erst einige Tage zuvor von dieser Einladung zum Konzertbesuch erfahren, und vorab gegenüber Bekannten gemutmaßt, dass im Parkhotel Atlantik auch russische Diplomaten unter den Gästen sein könnten.

Aus diesem Grunde hatte Findeisen (stattzeitung.org berichtete in "Erneut Reichsbürger-Razzia. Johanna Findeisen festgenommen.") einer Assange-Aktivistin aus Überlingen angeboten, nach Möglichkeit einen Brief an einen russischen Diplomaten zu übergeben. Der Inhalt dieses Briefes ist stattzeitung.org bekannt. Es handelt sich hierbei sinngemäß um das Bemühen der Assange-Aktivistin, bei einem eventuellen Gefangenenaustausch zwischen den USA und Russland, mutmaßlich aufgrund des Krieges in der Ukraine, den Journalisten Julian Assange mit auszutauschen. Der Wikileaks-Gründer Assange sitzt seit dem 11. April 2019 im Londoner Gefängnis Belmarsh. Unzählige Unterstützer Assanges, darunter auch der australische Premierminister und der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) fordern die unverzügliche Freilassung von Assange, der an die USA ausgeliefert werden soll. Dem Australier drohen in den USA bis zu 175 Jahre Haft oder die Todesstrafe. Er hatte beispielsweise US-amerikanische Kriegsverbrechen im Irak-Krieg (Video Collateral Murder) auf seiner Internetplattform Wikileaks der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Für die Freilassung Assanges wollte sich Johanna Findeisen gerne einsetzen, so versprach sie der Assange-Aktivistin aus Überlingen, deren Name und Anschrift ebenfalls der stattzeitung.org bekannt ist, und die auf Wunsch eine Kopie des Briefs dem Anwaltsteam um Johanna Findeisen zur Verfügung stellt.

Da eine der elementarsten Forderungen von stattzeitung.org eine freie Presse und die Freiheit von Julian Assange ist (Jeder ist Assange! Markus Barth. Spediteur., 3. Mai Welttag der Pressefreiheit., stattzeitung.org ruft Neue Medien zu "FREE PRESS - FREE ASSANGE" auf, Free Julian Assange fordert die „Better Way Media Conference" in Wien!, „Julian Assange ist für mich ein Held“, Daniele Ganser, 3. Mai 2022, Internationaler Tag der Presse(un)freiheit) war stattzeitung.org beim Kontakt von Johanna Findeisen und der Assange-Aktivistin gerne behilflich.

Ivan Khotulev, der russische Generalkonsul, war am 1. Juli 2022 in Überlingen, um an der Gedenkfeier der Opfer des Flugzeugabsturzes über Überlingen teilzunehmen. Im Rahmen dieser Feierlichkeiten lernten sich Findeisen und Khotulev vermutlich kennen, denn die Politikerin der Basis gehörte zu den wenigen Menschen, die dem Russen im Beileid zu den Opfern der Katastrophe, die sich im Sommer 2022 zum 20. Mal jährte, die Hand reichte. Aus Dankbarkeit darüber lud der russische Generalkonsul Johanna Findeisen im Spätsommer 2022 nach Frankfurt ins russische Konsulat ein.

Der Augenzeuge, den die stattzeitung.org in Baden-Baden traf, und der seine Aussage auch dem Anwaltsteam von Johanna Findeisen zur Verfügung stellt, ist sich sicher: "Johanna hat den Brief der Assange-Aktivistin an den Generalkonsul übergeben, mehr war da nicht." Der Zeuge berichtet weiter, dass Findeisen den besagten Brief wohl am Abend des Konzerts (Sonntag) in ihrem Auto vergessen hatte. Ivan Khotulev habe ihr dann gesagt, er wäre auch am Montag noch in Baden-Baden. Johanna Findeisen habe ihm den Brief dann am Montag, dem 5. Dezember übergeben. Zwei Tage später, am 7. Dezember 2022, fand dann in Frickingen am Bodensee die Hausdurchsuchung bei Johanna Findeisen im Zuge der Ermittlungen des Generalbundesanwalts gegen mutmaßliche Mitglieder der Reichsbürger statt. Seit dem 22. Mai 2023 sitzt die 54-jährige Mutter von drei Kindern, die für das Amtsgericht Konstanz zur Betreuerin von Menschen, die ihre Amtsgeschäfte nicht mehr alleine führen können, bestellt war, in der Justizvollzugsanstalt Schwäbisch-Gmünd in Untersuchungshaft. Die Generalbundesanwaltschaft legt ihr zur Last, Mitglied in einer terroristischen Vereinigung zu sein.

Selbstverständlich wissen nur Johanna Findeisen und ihre russischen Gesprächspartner, was sich möglicherweise außerhalb dieser Darstellung noch zwischen ihnen zugetragen haben könnte. Dennoch sollten die hier aufgeschriebenen Fakten, Möglichkeiten und Zeugenaussagen Eingang in die Betrachtungsweise und Beurteilung der ermittelnden Justizbehörden finden.

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