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Hans-Georg Maaßen: Wanderprediger oder neuer Politik-Chef?

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Hans-Georg Maaßen: Wanderprediger oder neuer Politik-Chef?

Rechts von der CDU oder links von der AfD klafft eine Lücke. Hans-Georg Maaßen, ein in der Wolle gefärbter wert-konservativer ehemaliger Behördenchef und Jurist, könnte genau in diese Lücke vorstoßen. Und punkten. Denn eine AfD-light, quasi ohne die “bösen Buben und Mädels” alla Höcke und von Storch könnte äußerst reizvoll sein für all jene, die sich auch einen neuen "Polterer" in Franz Josef Strauß-Manier wie Hubert Aiwanger auf größerer Bühne vorstellen können. Olfaktorisch folgend warf Maaßen, der Chef der Werteunion, nun seinen Ring ins Feuer. Sinnierte der Ex-Verfassungsschutz-Chef doch über mögliche 30 Prozent Wählerpotenzial, die man mit einer Partei "Werteunion"- die es (noch) nicht gibt, abholen könnte. "Ich bin kein Politiker", sagt H.-G. Maaßen im Interview. Ernsthaft? Wie lange gilt das noch?

Joachim Gauck, Alt-Bundespräsident, spricht dieser Tage von einer Repräsentationslücke wert-konservativer Politik. Gauck spricht aus, was des Pudels Kern in der "Asyl- und Migrationsdebatte" ist, und sagt so bemerkenswert treffende Sätze wie: "Wir waren so unvorstellbar böse, dass wir jetzt immer die Guten sein wollen." Die Politik sei gehemmt gewisse Härten zu gestalten- das könnte man aber auch menschlich machen. Also, wer soll das tun? Hans-Georg Maaßen hat eine große Behörde geleitet, der Jurist mit Promotion über die Rechtsstellung von Asylbewerbern im Völkerrecht, besitzt zweifelsohne in dieser wichtigen Frage eine Expertise- die sich nicht wenige Wähler wünschen.

Warum klebt Maaßen an seiner CDU-Mitgliedschaft, jetzt per Gerichtsbeschluss bestätigt, und damit eine Schlappe für den Mann, der ihn so gerne loswerden möchte- kein geringerer als der CDU-Chef Friedrich Merz? Türen offen lassen, könnte eine Erklärung dafür sein. Nicht wenige CDU-Mitglieder sehnen sich nach einer starken Führungspersönlichkeit, vorzugsweise mit wert-konservativer Haltung. Weg mit dem Merkel-Kurs der Mitte, jener Kanzlerin, die Hans-Georg Maaßen schasste.

Eine AfD bei anhaltender Stärke braucht einen Koalitionspartner, der sich derzeit im Feld der Ampelparteien, der CDU und der Linkspartei nicht finden lässt. Wäre da ein konservativ-freiheitliches Bündnis denkbar? Gedankenspiele dürfen dann aber auch, wenn die Saat einer "Werteunions-Partei" aufgeht, in Richtung der Christdemokraten angestellt werden. Noch ein Grund mehr, auch diese Türe offenzuhalten.

Die Zukunft wird zeigen, ob Hans-Georg Maaßen weiter "Wanderprediger" bleibt, wie er im Interview sagt, oder doch Politiker wird? Es bleibt spannend. Wir bleiben dran. Tun Sie es auch.

Lesen Sie, liebe stattzeitungs-Leser, hierzu auch gerne den s!!z-Artikel "Hans-Georg Maaßen: „Deutschland muss wieder auf seine Füße gestellt werden!“" und schauen Sie sich das exklusive s!!z-Interview mit dem ehemaligen Präsidenten des Verfassungsschutzes, Hans-Georg Maaßen an. Der Link zum Video-Interview ist hier: ""Herr Maaßen, sind Sie ein Maulwurf?""

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