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Plädoyer für den verdammten Verbrenner.
Kennen sie den Film "Le Mans 66 - Gegen jede Chance" mit Matt Damon? "Es gibt einen Punkt bei 7.000 U/Min...." Haben sie schon einmal einen Lancia Delta HF Integrale gefahren, vorzugsweise in beschleunigter Reisegeschwindigkeit? Standen sie jemals an einer Rennstrecke und haben sie den Gestank der Bremsen in den Kurven gerochen? Drehen sie sich um, wenn sie eine Giulia auf der Straße entdecken? Schlägt ihr Herz schneller wenn sie das aufdringliche Gebrabbel des luftgekühlten Käfers hören? Wissen sie was Freude am Fahren bedeutet, ob in einem alten M3 oder im brandneuen 8-er Coupe? Das Schönste zwischen den Geraden sind die Kurven. Falls Sie alle dieser Fragen mit Nein beantworten, hören Sie an dieser Stelle auf zu lesen, und setzen Sie sich stattdessen vielleicht in ihr hässliches Kunststoffchassis mit Batterieantrieb- und fahren, meinetwegen nahezu emissionsfrei, in den Sonnenuntergang. Hasta la Vista Baby, wir treffen uns an der nächsten Kreuzung, wenn dir der Strom ausgeht...
Ich war ungefähr fünf Jahre alt, da durfte ich den Cinquecento meines Vaters lenken, mit acht war es der Käfer auf dem Schotterweg zur Schuttkippe. Mit 16 kaufte ich einen alten Opel Manta, der wurde niemals wieder fahrtüchtig. "Den Führerschein kannst du machen, aber Autofahren kannst du nicht lernen, du musst es fühlen", sagte mein Daddy. Er hat es in seiner Autokariere vom Fiat über den Volkswagen bis zum BMW 316i gebracht. Sein Traum blieb stets ein Porsche. Den brachte ich ihm mit im Sommer `89 übers Wochenende. Ausgeliehen. 911-er. Am Sonntagabend wusste mein Papa mit seinen 65 Jahren: "Kind es war schön, aber das ist nichts mehr für mich, kommt 30 Jahre zu spät." Ich verstand ihn. Die heute 65-jährigen sind wohl flotter unterwegs- und mit 30 hat man ja meist auch noch nicht das nötige Spielgeld zur Hand für schnelle Träume. Jedenfalls galt das früher. Heute sitzen junge Männer in 400PS Geschossen die noch nicht einmal einen Bartschatten haben, und ich weiß nicht, woher die das Geld haben, ganz zu schweigen von Erfahrung. Eines haben sie jedenfalls meist nicht, den nötigen Respekt für das was sie zu beherrschen suchen. Wir backten vergleichsweise kleine Brötchen, suchten unsere Autos nach dem Motor aus, die Berlinetta mit Doppelvergaser, 75 PS, eine "Rennmaschine", oder der Renault 5 Alpine Turbo gehörte dazu. Den fuhr mein damaliger Chef, und zum "Schönfahren" restaurierte er einen Triumph T4. Rot. Klar. Da kommt was, denkt man wenn man den Sound nur hört, ist halt schon was anderes als das Geräusch eines Dampfbügeleisens...
Erinnern sie sich noch an den legendären Z1 der späten 80-er mit den versenkbaren Türen? Was für ein schöner deutscher Roadster. Ganz im Gegensatz dazu der bullige Audi Quattro- aber im Winter sensationell, da blieb dem Blau-weißen aus Bayern die Luft weg. Stolz konnten sie sein, die deutschen Autobauer, auf ihre Ingenieurskunst und trotz Lobs für die bella Macchinas, ja- auch auf unverwechselbare Designs.
Es hat eine Weile gedauert bis ich beim BMW-Challenge-Cup ein Z1-M-Coupe über den Hockenheim Ring "geprügelt" habe. 300 PS das war damals sogar was für eingefleischte Porsche-Fans, heute ist es die Motorleistung eines Mittelklasse-Toyotas. Steve Soper und Ellen Lohr waren damals mit dabei, Helden der DTM. Also wegen mir könnten wir die heute in KW angegebene Power auch wieder etwas zurücknehmen. Das ein Elektro-SUV allerdings 600 PS haben muss mit einem Batteriegewicht von rund 700 kg, das ist ein kleiner Renault Twingo im Gepäck, erschließt sich mir komplett gar nicht.
Motoröl statt Blut und einen Achtzylinder statt Herz, so nannte meine Mutter meine Leidenschaft.
Kennen sie "Bullit" mit Steve McQueen? Ein schöneres Autorennen habe ich noch nie im Film gesehen. Oh ja, man kann heute noch einen Ford Mustang kaufen. Ein Freund von mir hat das getan. Mit 74. Recht hat er.
Vor ein paar Tagen war ich im Rocktheater in Konstanz "Woodstock". Ich war gerade einmal vier Jahre alt als sich dort neben New York drei Tage lang eine halbe Million Hippies durch den Schlamm wälzten und Babys machten. Dazu Drogen und der Sound von Santana, Janis Joplin, "Make Love not War". Aber wissen sie was, zehn Jahre später war ich 14 und "Woodstock" war noch immer legendär. Ich habe gut zugehört im Rocktheater zwischen all den "Golden-Agern" und "Silbernacken", und als Bob Dylans Song "Like a Hurricane" kam, kriegte ich feuchte Augen. Warum? "How does it feel to be on your own?" Und dann Canned Heat mit ihrer Hymne "On the Road again". Wir ordneten den Song damals ein als eine Hymne an das Leben wie es einem gefällt.
Also wie wenn ich Ihnen heute sagen würde, ich scheiß auf eure Meinung und lass mir lieber ein Stück von meinem kleinen Zeh abreißen als mir von euch den Burger verbieten zu lassen, den ich gerade essen möchte-oder das Coupe in das ich gerade einsteige.
Es ist nicht der Burger und eigentlich wenn ich´s genau betrachte auch nicht der 911-er. Freunde es ist: Freiheit!
Ich habe sowas von dermaßen die Nase voll von all den Besserwissern, die meinen mir erklären zu müssen wie Leben funktioniert. Ich mach bestimmt nicht alles richtig, aber nein, ich bin deswegen keineswegs eine Umweltsau. Ich kompensiere meine Pferdestärken indem ich nicht fliege und selten streame. Andere machen das anders, was soll´s. Verantwortung kann wahrgenommen werden ohne die Lebenslust oder die Leidenschaft zu verlieren, da bin ich mir sicher.
Aber ich möchte verdammt nochmal selbst bestimmen was ich esse, ich brauche keine Belehrungen wann und wie oft ich dusche, ich will heizen, wenn mir kalt ist, und den Burger, den will ich auch wenn mir zweimal im Jahr danach ist. Ich will mit meinem kleinen Patensohn auch in 10 Jahren noch mit glänzenden Augen in den alten Käfer steigen dürfen. Und zwar ohne dafür Fleißpünktchen einlösen zu müssen, die ich dadurch gesammelt habe, dass ich durchgeknallte Kids finanziere, die sich an Straßen ankleben, und mich am Weiterfahren hindern- und die mal eben so 1,4 Millionen an angeblichen Spendengeldern eingenommen haben. Wer sind die Spender?
Hey ihr Babyboomer, wir sind bestimmt nicht die letzte Generation, wir sind vielleicht auch nicht die Generation "Woodstock", aber lasst uns verdammt nochmal damit aufhören uns gängeln zu lassen und uns die Freude am Leben durch ständiges anstrengendes Überprüfen unserer Kompatibilität zu grünen Echokammern nehmen zu lassen. Ich habe es satt mich ständig zu rechtfertigen oder permanent ein schlechtes Gewissen haben zu sollen, für alles was mir lieb und teuer ist und was ich gerne habe, obwohl oder trotzdem ich vieles richtigmache. Ein bisschen "Symphathy for the Devil" muss schon übrigbleiben für eine ganze Generation, die an Lebensleistung bereits erbracht hat, wohin die "Kids" erstmal kommen müssen- und die ihnen damit ihr "chilliges" Leben ermöglichen. Sätze wie: "Arbeiten möchte ich nur 2 Stunden am Tag, und am liebsten überall auf der Welt. Montags kann ich nicht jobben da komm ich vom Wochenende, Freitags auch nicht, da geh ich rein- und Dienstagabend habe ich Yoga", sind uns nämlich fremd- und darum haben wir unser "Heilig´s Blechle" auch verdient, wir haben dafür gearbeitet und gespart!
"How does it feel to be on your own-like a Rolling Stone!"
Könnt ihr euch die "Easy-Rider" auf Elektro-Maschinen vorstellen? Okay, für manche von euch "Easy-Ridern" tut´s heute auch der Laubbläser. Aber ganz ehrlich, bleibt bitte ein bisschen "Easy-Rider", tut gut.
Fangen wir also auf der Stelle damit an, uns unser Leben von den Spaßbremsen und Besserwissern zurückzuholen, die es uns offenbar missgönnen. Und, ja, fahren wir zur Hölle genau die Autos, die wir fahren wollen. Und wissen sie was, wenn das ein Hybrid oder ein Elektroauto ist, ich habe nichts dagegen. Das ist Freiheit!
PS: Und jetzt beruhigen wir uns alle wieder, steigen in den mittlerweile etwas höheren und bequemeren Renault Grand Scenic, oder den aus Japan, oder, oder- ganz egal. Es ist nur wichtig, dass wir im Herzen wissen, wer wir sind, und das auch bleiben.
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