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Lieber Friedenstauben als Allzweckwaffen
- Über 600 Menschen gingen in Überlingen für den Frieden auf die Straße.
- Major a. D. Florian Pfaff hielt eine außergewöhnliche Rede
- "Streamer" aus Wien und München berichteten live vom Bodensee.
- Alexander Ehrlich ruft zur Großkundgebung am 18. Februar in München auf.
- Claus Kittsteiner von der "Friedensregion Bodensee" mit Demo-Beitrag.
Zur 1. Großen Friedensdemo in diesem Jahr konnten die Veranstalter am gestrigen Samstag über 600 Menschen in Überlingen begrüßen. Ruth Meishammer vom Orga-Team appellierte daran, einen inneren Frieden mit sich selbst zu machen, keine Partei zu ergreifen und vor allem einander zuzuhören. Letzteres vermisse sie so sehr in den Debatten um den Krieg in der Ukraine, und zum Thema Lieferung von schweren Waffen aus Deutschland dort hin. Einander zuzuhören wäre der erste Schritt zur Konfliktlösung und bedeute ja keineswegs dem Gegenüber auch zuzustimmen. "Friedensverhandlungen statt Sanktionen und Waffen", unter diesem Motto versammelten sich Friedensaktivisten in der Bodenseestadt, viele trugen Transparente und auch wieder die hölzernen weißen Friedenstauben von Fionn Barnes, bekannt von den Demos im letzten Jahr. Einige Demonstranten waren von weit her, auch aus München und Wien, an den Bodensee gekommen, vor allem um Major a. D. Florian Pfaff zu hören, den die Veranstalter als Hauptredner gewinnen konnten.
Als 2003 der Krieg der USA gegen den Irak begann, den Pfaff als völkerrechtswidrig bezeichnet, wollte sich der Major nicht an einem Rechtsbruch beteiligen, und entsprechende Befehle, so sie denn kommen würden, nicht weitergeben. Daraufhin wurde der hochrangige Bundeswehrangehörige 2005 zum Hauptmann degradiert. Zuvor musste sich Major Florian Pfaff einer einwöchigen psychiatrischen Untersuchung unterziehen. Das Bundesverwaltungsgericht hat Major a. D. Pfaff jedoch noch im Jahr 2005 komplett rehabilitiert. "Ein Messer stillt keine Blutung, eine Keule hilft nicht bei Kopfschmerzen, nur mit Atombomben wären wir wohl dann alle schmerzfrei. Mit Waffen kann man keinen Frieden machen", sagte Pfaff auf dem Überlinger Landungsplatz und erhielt dafür großen Beifall. Warum es kein Widerspruch ist, Soldat und Friedensaktivist zu sein, darüber spricht Major a. D. Florian Pfaff in einem exklusiven Interview mit stattzeitung.org, demnächst zu finden auf dieser Seite. Die Demo-Rede des Majors stellen wir in kompletter Länge unseren lieben Leserinnen und Lesern, und allen, die sich einmal für Einsichten und Ansichten eines direkt betroffenen Insiders interessieren, Anfang kommender Woche zur Verfügung.
Wieder einmal war der Wettergott den Überlingern gut gesonnen, hatte es noch bis kurz vor Mittag geregnet, zeigte sich sogar noch die Sonne den Demonstranten, als wolle sie ebenfalls ein Zeichen für den Frieden setzen. Es gab während der gesamten Versammlung keinerlei Probleme, berichtete Andreas Riess von der Überlinger Polizeidienststelle, der sich immer wieder darüber wundern darf, dass schlagartige Wetterbesserungen auftreten, wenn die Überlinger Demonstranten auf die Straßen gehen.
Der Aktivist Alexander Ehrlich aus Österreich, vielen bekannt durch seine friedlichen Proteste gegen den Freiheitsverlust während der "Corona-Pandemie", stellte eine Frage an den Hauptredner. Ehrlich wollte wissen, was dieser zu einer Wiedereinführung der Wehrpflicht zu sagen hätte. "Wehrpflicht ist Sklaverei. Putin bedroht uns nicht, also brauchen wir auch keine Kampfsklaven. Die Wehrpflicht ist aktuell nur ausgesetzt, aber ich sehe keine Chance, sie wieder aufleben zu lassen, wenn es keine Bedrohung für Deutschland gibt", antwortete der ehemalige Berufssoldat von der Hardthöhe. Ein kurzes Interview mit Alexander Ehrlich erscheint ebenfalls in wenigen Tagen auf stattzeitung.org.
Alexander aus Wien und "Kaschiii" und "Helge" aus München kamen an den Bodensee, um die große Friedensdemo in ihren Kanälen live zu streamen. Immer wieder staunte "Helge", "schaut nur wie viele Menschen hier in Überlingen sind, und das in einer doch eher kleinen Stadt", berichtete er live das Geschehen rund um den Landungsplatz. Er und seine Freunde hatten aber auch einen wichtigen Aufruf mit im Gepäck. "Macht Frieden" steht auf ihrem Flyer, gemeint ist eine Großkundgebung am 18. Februar 2023 ab 13 Uhr auf dem Münchner Marienplatz. Dieter Dehm, Jürgen Todenhöfer und Ingrid Pfanzelt haben ihre Teilnahme als RednerInnen bereits zugesagt. Zeitgleich findet in der bayrischen Metropole die diesjährige Münchner Sicherheitskonferenz statt. Alle Welt schaute an diesem Tag auf München, wo sich alle versammeln würden, die weiter Krieg machen wollten, so sagte es Alexander Ehrlich im Interview. Er wolle alle friedliebenden Menschen, die bereit seien, dafür auch ein Zeichen zu setzen, nach München einladen.
Claus Kittsteiner vom Friedensbündnis Bodensee ergänzte die Abschlusskundgebung in Seenähe noch um ein Gedicht von Bert Brecht, darüber freute sich Ruth Meishammer ganz besonders, denn mit diesem "Schulterschluss" der Friedensaktivisten am Bodensee und damit dem gemeinsamen Eintreten für ein gemeinsames Ziel wäre doch ein starkes Zeichen für den Frieden gesetzt.
Eloas min Barden und Frank Waldvogel begleiteten die Freunde des Friedens, die an diesem Samstag mehr taten, als nur Lippenbekenntnisse abzugeben und es sich dann weiterhin im Sessel vor dem Fernseher gemütlich zu machen, wie es eine Frau mit Friedenstaube kommentierte, sondern stattdessen von der Wiestorschule durch die Altstadt an der Seepromenade entlang zum Landungsplatz spazierten. Frank Waldvogel und Eloas min Barden bereicherten die Veranstaltung mit ihren ausgewählten Stücken musikalisch. Der Barde erntete Lachen und viel Kopfnicken, als er zugab, er habe auch schon gelernt, dass ein Mann erstmal Frieden mit seiner Frau machen müsste, um eine Ahnung davon zu erhalten, was Frieden für jeden Einzelnen überhaupt bedeutete.
Ruth Meishammer, Thorsten Peters und ihr vielköpfiges Orga-Team dürften eine positive Bilanz ziehen, auch wenn sie sich insgeheim gewünscht hätten, noch viel mehr Menschen auf die Straße zu kriegen für Friedensverhandlungen und gegen Sanktionen und Waffenlieferungen. Vielleicht gelingt das beim nächsten Mal, denn das Ziel bleibt. Frieden.
Lesen Sie dazu auch den Kommentar (Jesus Christus wäre heute ein "Querdenker").
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