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Ist das ZDF vertrauenswürdig? Nein!
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In der Vergangenheit sind die großen Zivilisationen der Welt untergegangen, weil sie ihre Böden zerstört haben. Auch heute stellt der weltweit zunehmende Verlust der fruchtbaren Humusschicht unserer landwirtschaftlich bewirtschafteten Böden ein großes Problem dar. Und zwar in der konventionellen wie auch in der biologischen Landwirtschaft. Dadurch wird unsere Ernährungssicherheit massiv gefährdet und unser Klima belastet, sagt Professor Doktor-Ingenieur Ralf Otterpohl. Er ist Leiter des Instituts für Abwasserwirtschaft und Gewässerschutz an der Technischen Universität Hamburg und forscht dort im Bereich Siedlungswasserwirtschaft, Humusaufbau und ländlicher Entwicklung.
Wenn wir uns um Erhalt und Wiederaufbau, kurz um die Regeneration landwirtschaftlicher Böden kümmern würden, ließen sich 30 Milliarden Menschen ernähren, so die These von Otterpohl, der am 26. August im Hof Neuhaus in Überlingen-Bambergen einen Vortrag über Regenerative Landwirtschaft hielt.
Der Gefahr für unsere Ernährung und unser Klima möchte der Professor entgegenwirken. Wenn der Wasserkreislauf zusammenbreche, so Otterpohl, breche leider alles zusammen und es würde zur Wüstenbildung kommen und nicht lediglich zur Steigerung der Temperatur, wie normalerweise berichtet. In einigen Gebieten in Europa sieht es diesbezüglich bereits sehr schlecht aus. Zum Glück würde in Deutschland noch recht konsequent Fruchtwechsel betrieben, so dass es hier zumindest noch besser sei als zum Beispiel in England. Man müsse sich dabei bewusst sein, dass 70% der Nahrungsmittel durch Kleinbetriebe mit weniger als 5 Hektar Land produziert werden und nicht von Großbetrieben, wie sicherlich viele vermuteten, sagt der Experte.
Die Erkenntnisse und Erfahrungen der regenerativen Landwirtschaft lassen optimistisch in die Zukunft blicken, meinte der Bauingenieur Otterpohl: „Durch die regenerative Landwirtschaft können wir gesunde, humusreiche Böden wiederherstellen, den Wasserkreislauf sicherstellen, die Nahrungsmittelproduktion deutlich erhöhen und das lokale Klima stabilisieren.“ Es lassen sich höhere Erträge mit geringeren Ausgaben erreichen und das Grundwasser wird weniger belastet. Dies könne zu einer besseren Wirtschaftlichkeit des Betriebs führen. Es gibt daher viele Gründe, warum gerade auch jüngere Menschen wieder motiviert werden könnten, landwirtschaftliche Höfe zu übernehmen und fortzuführen. Für Otterpohl ist es nicht entscheidend, ob ein Landwirt ökologisch oder konventionell arbeitet, viel mehr plädiert er für den Dialog zwischen biologischem und konventionellem Landbau.
Otterpohl stellte in seinem Vortrag einige Prinzipien und Methoden vor, die aus für ihn unverständlichen Gründen in Vergessenheit geraten seien oder jedenfalls nicht beherzigt würden. Ein Landwirt, der diese Prinzipien der regenerativen Landwirtschaft umsetze und dazu die hohe Kunst der lokalen Anpassung beherrsche, könne bereits im ersten Jahr profitabel wirtschaften, so die erstaunliche Feststellung des Fachmanns.
Dabei sind nicht die von außen zugekauften Einträge von Stickstoff, Phosphor und Kalium von Bedeutung, nein sie sind sogar schädlich für das Bodenleben. Ähnlich verhalte es sich auch mit Störungen des Bodens durch Umgraben oder den Einsatz von Agro-Chemikalien wie Fungiziden. Als den wesentlichen, jedoch bisher kaum beachteten Faktor für den landwirtschaftlichen Ertrag und die Bodengesundheit benennt Otterpohl die Vielfalt und Vitalität der Bodenpilze. Ein gutes Verhältnis von Bodenpilzen zu Bodenbakterien finde man zum Beispiel in Laubwaldböden. Eine Möglichkeit, um den Boden mit diesen wichtigen Bodenpilzen (Myzel) zu versorgen, könne man über den Komposteintrag beim Einsäen erreichen. Er zeigte dafür eine spezielle Vorgehensweise mit dem „Johnson-Su-Komposter“. Mit diesem konnten nach 60 Wochen der Kompostierung 453 von 740 wünschenswerten Organismen im Kompost nachgewiesen werden.
Etwa 50 interessierte Menschen hörten den 90-minütigen lebendigen Vortrag des Bauingenieurs. Im Anschluss gab es einige Rückfragen zur Anwendung der vorgestellten Prinzipien und es fand ein reger Erfahrungsaustausch mit SoLaWi-Mitgliedern (Solidarische Landwirtschaft) und Gärtnern von hiesigen Höfen statt. Einiges schien bei diesen meist ökologisch wirtschaftenden Praktikern bereits bekannt und in der Praxis angelangt, doch für die Privatgärtner war wohl das meiste neu. Viele Zuhörer zeigten sich von den weltweit bereits erfolgreichen Projekten beeindruckt. Durch die im Vortrag genannten, für jedermann zugänglichen Informationsquellen steht damit jedem Teilnehmer die selbstständige Recherche offen.
Zum Abschluss wollte ein Teilnehmer wissen, ob der Wandel zur regenerativen Landwirtschaft von oben oder von unten kommen müsse, also von der Politik verordnet, oder vom heimischen Landwirt erprobt, darauf antwortete Otterpohl, dass Änderungen in der Agrarpolitik durchaus wichtig seien. Gleichzeitig brauche es den Einzelnen, der es wagt Neues umzusetzen.
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