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Deutsche und englische Fußballfans erlebten eine italienische Nacht!

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Deutsche und englische Fußballfans erlebten eine italienische Nacht!
Bild: Stef Manzini
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Wer hat die treuesten Fans? England oder Deutschland? Italien! Zumindest die Fans des Eiscafés Cristallo hielten ihrem Lieblingsort am Sonntagabend die Stange, obwohl über weite Strecken des Fußball-Europameisterschafts-Finales der Ton der Fernsehübertragung im Cristallo den Fans einen Strich durch die Rechnung machen wollte. Public-Viewing ist doch gemeinsam am schönsten und so hatte sich rumgesprochen, dass im Cristallo am Überlinger Münster der große TV-Apparat aufgebaut wurde, um dieses Vergnügen zu ermöglichen.

Zahlreich kamen die Fans der deutschen Frauennational-Elf, männliche wie weibliche, pünktlich vor 18 Uhr zur Eisdiele- doch was war das, nur in der ersten Reihe war die Moderation des Spiels zu verstehen. Ach herrje, zum Spiel gehört der Stadionsprecher, und das möglichst laut, da nehmen sich Männer- und Frauenfußball und ihre Fans wirklich nichts. Allessandro gab sein Bestes, immer wieder spielte ihm aber die verflixte Technik einen Streich- und dann ging noch nicht einmal mehr die kontaktlose Bestellung, und das Cristallo-Team musste auf Blöcke und Kugelschreiber zurückgreifen. Jede und jeder wurde aber prompt und in gewohnt freundlicher Cristallo-Manier völlig zufriedenstellend bedient, ob Eis- oder doch ein kühles Blondes. „Ich war echt voll im Stress“, so Allessandro, der den Gästen einfach nur ermöglichen wollte, ganz viel Spaß am Spiel zu haben.

In der zweiten Halbzeit brachte der Inhaber Marco Garau endlich unter großem Beifall seiner Gäste die erlösenden Lautsprecher-Boxen, schnell wurde per Handy-App verbunden, und dann dröhnte es in vollem Sound, so laut, dass den Gästen in der ersten Reihe der Hut wegflog. Die riefen dann auch „leiser-leiser“, wurden aber mit einem schallenden „dann nehmt halt eure Hörgeräte raus“ bedacht. Alle lachten. Die Atmosphäre im Cristallo war großartig. Da störte es auch nicht wirklich, dass es letztlich für die deutschen Fußball-Frauen nicht ganz zum Triumph reichte. Es jubelte England. „Anyway“ möchte man den Fußball-Mädels zurufen, sie haben ihr Bestes gegeben und dem Frauenfussball ein wunderbares Fest beschert. Ohne „Poppy“, aber mit einer glatten Fehlentscheidung der Schiedsrichterin, die einen Hand-Elfmeter nicht gab, sind „wir“ nun eben zweiter geworden. Danke den Fußball-Ladies, und danke dem Cristallo für einen wunderbaren Abend!

Die Zeiten, in denen die Frauenfußballerinnen als „Lesbentruppe“ beschimpft wurden, sind lange vorbei. Jetzt bleibt die Hoffnung, dass die Zeiten kommen werden, in denen eine Frau im deutschen Nationaltrikot auch finanziell zumindest einmal in die Nähe ihrer männlichen Kollegen rückt. Mit 40.000 Euro jährlich verdienen die Kickerinnen nicht einmal die Tagesgage des bestbezahlten deutschen Fußballers. Toni Kroos, deutscher Nationalspieler im Hauptberuf bei Real Madrid, brachte es 2021 auf 21 Millionen-Euro. Da bleibt für die deutschen Fußball-Frauen noch ganz viel Luft nach oben.

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