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Bündnis „Kein Zwang“ braucht Mitstreiter aus der Pflege
- Solidarität soll verhindern, dass Kollegen im Regen stehen.
- Bußgelder und Betretungsverbote bedrohen Existenzen.
- „Ungeimpfte“ eben noch beklatscht, heute bedroht.
- „Mich gibt es nur ohne Gentechnik“, Altenpfleger Felix Zimmer.
Die allgemeine Impfpflicht gegen das Corona-Virus ist ja erstmal vom Tisch nach der Bundestagsentscheidung vom 7. April 2022, aber für die Werktätigen in allen Bereichen der Care-Arbeit ist das Thema so brisant wie nie, denn für sie gilt die „einrichtungsbezogene Impfpflicht“, und die ersten Bußgeldandrohungen vom Gesundheitsamt flattern bei den „Ungeimpften“ in die Briefkästen. Eine Anfrage der AfD-Kreistagsfraktion an das Landratsamt in Friedrichshafen, nach der Anzahl der nicht immunisierten Pflegekräfte im Bodenseekreis beantwortete die Behörde wie folgt: „Insgesamt wurden dem Gesundheitsamt 1058 Personen gemeldet (Stand 21.04.2022). Hiervon sind 76 Fälle bereits nach Vorlage eines Nachweises abgeschlossen. Eine Quote kann mangels Referenzzahlen nicht berechnet werden“.
Der Überlinger Altenpfleger Felix Zimmer ist in der Bodenseeregion zum Gesicht des Widerstands gegen eine Impfpflicht in der Pflege geworden. Der Vater von drei Kindern, der 2006 seine Ausbildung im Überlinger Altenheim St. Ulrich absolvierte, trat immer wieder bei Kundgebungen auf.
Zu Beginn des Montagsspaziergangs in Überlingen am 2. Mai berichtete Felix Zimmer von seinen aktuellen Bemühungen, für „ungeimpfte“ Pflegekräfte mit seinem Bündnis „Kein Zwang“ eine Handlungsoption aufzubauen. „Kein Zwang“ will im Falle eines vom Gesundheitsamt ausgesprochenen Betretungsverbots der Pflegeeinrichtung oder der Androhung einer Geldbuße Kollegen zur Seite springen können. Um Solidarität ginge es, dass keiner sich alleine fühle und ohnmächtig den gegenüber ihm ergriffenen Maßnahmen ausgeliefert sei, darauf kommt es Felix Zimmer an, dafür hat er das Bündnis gegründet.
Kaum zu fassen für manchen Zuhörer am vergangenen Montag war seine Beschreibung der Betreuungssituation in stationären Pflegeeinrichtungen, was das Verhältnis Pflegekraft zu Bewohner betrifft. Nach der Landespersonalverordnung muss im Tagdienst pro 30 BewohnerInnen mindestens eine Pflegefachkraft eingesetzt werden, im Nachtdienst pro 45 BewohnerInnen. „Was machen Sie denn, wenn sechs Menschen gleichzeitig auf die Toilette müssen?“ fragte eine Zuhörerin. „Ich kann immer nur mit einem Menschen zur Toilette, schlimmstenfalls werden die anderen fünf in die Hose machen“, so ist die Situation. Dieser Fachkraftschlüssel existiert in dieser Form bereits seit mehreren Jahren. In der Realität kommen hier schon immer alle Betroffenen schnell an Grenzen, die Forderung nach mehr Pflegekräften ist nicht neu, erklärte Zimmer.
Das neue Bündnis „Kein Zwang“ droht mit Arbeitsniederlegungen im „Bündnisfall“, das heißt, wenn das Gesundheitsamt ein Bußgeld oder Arbeitsverbot gegen einen „Verbündeten“ ausspricht. Die genaue Vorgehensweise auch im Hinblick auf justiziable Schritte wird von Felix Zimmer und seinen Mitstreitern aktuell geprüft und ausgearbeitet.
Die Frage nach möglicher „Unsolidarität“ gegenüber Patienten und Betreuten beantwortet das Bündnis wie folgt: „Wenn jemand unsolidarisch ist, dann wohl die Politiker, welche die Impfpflicht beschlossen haben“. Eine kritische Masse von 1.600 Verbündeten müsse jedoch erreicht werden, erst dann könne das Bündnis aktiv werden, so der Altenpfleger. Bei einem einmaligen Beitrag von 15 Euro pro Mitglied könnte ein ausreichendes finanzielles Volumen aufgebaut werden, um betroffene Kollegen wirksam zu unterstützen, erklärt Felix Zimmer.
Der 38-Jährige, der über mehrere Zusatzqualifikationen in außerklinischer Intensivpflege und palliativer Medizin verfügt, ist sehr klar in seinen Aussagen. Er kann sich vorstellen, mit seiner Familie auszuwandern, sollte in Deutschland an der „einrichtungsbezogenen Impfpflicht“ festgehalten werden. Die fünfköpfige Familie schaue sich schon länger Immobilienangebote im Ausland an, sagt der Pfleger. „Am liebsten wollen wir aber hier in Überlingen sein, bei unseren Freunden und Familien“, bekennt Zimmer. Seine Vorgesetzten im St. Ulrich gingen anständig mit ihm um, erklärt der Mann, der eine biologische, sozialpädagogische und landwirtschaftliche Fachhochschulreife hat, aber auch schon mal an der Tankstelle jobbte.
Nach einem Jahr in der Dauernachtwache wechselte Felix Zimmer 2013 in die außerklinische Intensivpflege bei Anita Kerner und erhielt in Stockach schnell eine Führungsposition. Hier versorgte Felix Zimmer schwerstkranke Menschen unter anderem mit lebensnotwendigen Gerätschaften, wie beispielsweise Absaug- und Beatmungsgeräten. Der gut ausgebildete Altenpfleger schrieb einen offenen Brief an seinen Arbeitgeber, die Leitung des St.Ulrich- Altenheims in Überlingen, Herrn Christian Glage, darin heißt es: „Dass die einrichtungsbezogene Impfpflicht keinerlei Schutz vor der Covid-19-Erkrankung bietet, sollten Sie nach den jüngsten Entwicklungen vor Ort im St. Ulrich gesehen haben“. Auch im Überlinger Altenheim brach immer wieder Covid aus, bei fast durchgängig geimpftem Personal und Heimbewohnern. Zimmer spricht in seinem Brief von „...andauernder Nötigung und Vergewaltigung von Menschen durch Tests und Masken und von Müllbergen durch Schutzbekleidungen...“. Er habe einige multimorbide Patienten sterben sehen, die im rechten Licht betrachtet an der Summe der Vorerkrankungen verstorben seien, dann aber als „Covidtote“ gezählt wurden. Um Gesundheit gehe es schon lange nicht mehr, resümiert der Pflegefachmann, der nach eigenen Angaben derzeit häufig im Dienst einspringe, da seine „geboosterten und frisch MRNA-therapierten Kollegen“, so Zimmer, Covid-19 bedingt ausfielen. „Ich möchte nicht wissen, wie viele Menschen einsam und ohne angemessene Behandlung verstorben sind, verhungern und verdursten mussten, damit die Maßnahmen durchgesetzt werden konnten. Isolationshaft ist nicht umsonst eine Foltermethode, welche den Lebenswillen bricht. Wir praktizieren dies leider. Auch diese Toten gehen auf das Konto der Politik, der Pflegekräfte und der Ärzte, welche oft tatenlos zusahen und weiterhin zusehen, weil sie Angst haben, Courage zu zeigen“, klagt der Altenpfleger vom St. Ulrich an.
Felix Zimmer verschiebt nun zum vierten Mal seinen Resturlaub aus 2021 zum Wohle seiner Patienten. Zum Dank dafür lebt seine ganze Familie seit Monaten in Angst um ihre finanzielle Absicherung und mit unklaren Zukunftsperspektiven. Einst beklatscht und jetzt bedroht - so hat die Politik den Altenpfleger in diese Lage gebracht. Zimmers ungewisses Schicksal ist nur eines von hunderttausenden nicht gegen das Corona-Virus „geimpften“ Mitarbeitern im Care-Bereich, die für alle da sind, die in Not geraten und Hilfe benötigen.
Das Bündnis „Kein Zwang“ sucht Mitstreiter aus allen Bereichen der betroffenen Berufsgruppen.
Informationen über das Bündnis „Kein Zwang“ unter: felixxzimmer@gmx.de
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