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Die Käppelebauern vom Kapellenhof
Die Käppelebauern vom Kapellenhof
- Anita und Fionn Barnes, Landwirte aus Überzeugung, zur Nachhaltigkeit.
- Früher mussten die Bauern vom Kapellenhof die Glocke der Kapelle läuten.
- 80 Hektar Landwirtschaft ist nichts für bäuerliche Romantiker.
- Die Freiheit und Selbstbestimmtheit sind das Wichtigste am Leben auf dem Hof.
Auf dem Kapellenhof in Ebratsweiler trifft sich die stattzeitung.org auf einen Kaffee und Rundgang mit den beiden Landwirten Anita und Fionn Barnes - die beiden betreiben den Hof seit 2003 in familiärer Tradition. Beim Rundgang durch das landwirtschaftliche Anwesen sahen wir in und um die beiden Ställe die Ziegen mit ihren neugeborenen und sehr neugierigen Zicklein umherspringen, und eine kleine Mutterkuhherde graste unweit der Hofstelle mit ihren Kälbchen. Etwas weiter draußen beim mobilen Hühnerstall passten derweil die beiden neuesten Hofbewohner, die Alpakas Max und Moritz, auf die ganze Hühnerschar und die Hähne auf. Sobald wir uns näherten, sprangen die wachsamen Alpakas herbei und beschnupperten die fremden Menschen interessiert und doch vorsichtig.
Anita und Fionn Barnes lernten sich während ihrer staatlichen Ausbildung auf dem Demeter- Hofgut Rengoldshausen in Überlingen kennen. Beide hatten sich ganz bewusst für eine Ausbildung zum Biobauern entschieden. Fionn wuchs bereits auf einem Demeter-Hof auf, allerdings im US-Staat New York, während Anita als Kind viel Zeit auf dem Kapellenhof verbrachte, den früher zwei ihrer Onkel bewirtschafteten. Direkt im Anschluss an die Gesellenausbildung absolvierte Anita die Meisterschule in Bayern und verfasste dabei auch eine Chronik zum Hof ihrer Familie.
Die Glocke der Kapelle nebenan müssen die Bauern vom Kapellenhof schon lange nicht mehr läuten. Anita Barnes erinnert sich aber, wie das in ihren Kindertagen war, als sie zu Besuch beim Onkel auf dem Hof war. „Manchmal waren die zu spät dran, dann läutete die Glocke eben auch zu spät“, lacht Anita. Heute übernimmt diesen Job die Technik und die Glocke läutet pünktlich.
Einen eigenen Hof zu führen sei mit viel harter Arbeit und Verantwortung verbunden, erzählen die beiden Landwirte beim Kaffeeplausch in der großen Küche des 200 Jahre alten Bauernhauses. Als sie früher eine deutlich größere Ziegenherde besaßen, mussten die Tiere pünktlich zweimal täglich gefüttert, gemolken und die Milch weggebracht werden. Dazwischen könne es natürlich immer Unplanbares geben, worauf spontan reagiert werden müsse, erzählt Anita. Mal weinte eines der Kinder oder die Kühe brachen aus, während sie schon mit dem Kochen beschäftigt war. Kränkliche Tiere bedürften zusätzlich sehr viel mehr Pflege, erklärt die Landwirtschaftsmeisterin. Jeder Bewohner des Hofes, ob Mensch, ob Tier, benötige einfach Aufmerksamkeit und Zeit. So haben die beiden Öko-Bauern und Eltern von drei Kindern in den nun fast 20 Jahren, die sie ihren eigenen Hof führen, insgesamt nur etwa einen Monat Urlaub und kaum gemeinsame Urlaubstage gehabt. „Das hat mir richtig gestunken, denn wir sind moderne Menschen, wir haben dann einiges verändert“, erklärt Fionn Barnes. Wir erahnen: Das Geschäft mit der Landwirtschaft ist ein knallharter Job 365 Tage im Jahr, fernab jeder verklärten Romantik der bäuerlichen Formate im abendlichen Fernsehen. Dazu, aber nie zu kurz, seien ja noch die heranwachsenden Kinder gekommen, sagt das Ehepaar versonnen. Die Landwirte hatten sich zu Anfang mit einem deutlich größeren Tierbestand viel vorgenommen und dann mit eigener Erfahrung einiges wieder umstrukturiert, um auch alles wirklich gut meistern zu können. Die Tiere liegen ihnen ganz besonders am Herzen und es ist ihnen sehr wichtig, alle Tiere gut versorgt zu wissen. Fionn Barnes erklärt schmunzelnd, sie wollten gar nicht einen ständig wachsenden Betrieb - der Kapellenhof bewirtschaftet jedoch bereits eine Fläche von knapp über 80 Hektar und gehört damit schon zu den mittelgroßen landwirtschaftlichen Betrieben der Region. Die Landwirtschafts-Experten Anita und Fionn Barnes, beide 50 Jahre alt, sind ökologische Überzeugungstäter und legen Wert auf möglichst nachhaltiges und sinnvolles Wirtschaften nach bäuerlicher Tradition.
Trotz der vielen Arbeit würden sie auch rückblickend wieder diesen Hof bewirtschaften wollen, lediglich das ein oder andere in etwas abgewandelter Form machen. Besondere Freude bereiten den beiden ihre gesunden Tiere und eine gute Ernte. Der Hof baut im wesentlichen Hafer und Weizen als Futtermittel, aber auch Dinkel in Demeter-Qualität für die Spielberger Mühle an. Die Hühnerzucht ist eine Kooperation mit dem Demeter-Hofgut Brachenreuthe am Bodensee. Dort werden die Eier, die nicht am Hof verkauft werden, vermarktet. So manche Arbeiten, für die man kostenintensive Fahrzeuge und Werkzeuge benötigen würde, geben die Barnes lieber an vertraute Lohnunternehmen, um dafür nicht unnötig viel Geld investieren zu müssen.
Ihre drei Kinder im Alter von 19, 16 und 15 Jahren können sich aktuell nicht vorstellen den Hof zu übernehmen. Fionn ergänzt aber sogleich, er habe auch erst mit 28 Jahren seine landwirtschaftliche Lehre begonnen, wer könne also wissen, was sich noch so ergeben würde.
Auf die Frage, mit welchen Wetterphänomenen die beiden in den letzten Jahren so umgehen mussten, betont der Landwirt, der am Hof vorbeifließende Ramsbach sei früher nie ausgetrocknet oder habe Hochwasser geführt, dies komme mittlerweile öfter vor. Die Frühjahre seien im Gegensatz zu früher zu trocken und der Hauptniederschlag komme nun im August, wenn sie das Getreide dreschen würden. Die Wetterperioden mit schönem oder schlechtem Wetter seien einfach länger anhaltend. Den Nutzwald, früher als reine Kiefernwälder angelegt, mussten sie wegen Sturm und Käferverdacht stärker fällen und forsten ihn mit stabilerem Mischwald wieder auf.
Ihr Arbeitgeber sei die Natur und die sei sehr weise, erklärt Fionn Barnes. Das Schönste aber sei ihre Freiheit und die Arbeit mit dem Lebendigen, erklären die Bauern vom Kapellenhof zum Abschied.
Der Kapellenhof ist seit 1813 im Privatbesitz und wird seit 1993 biologisch-dynamisch bewirtschaftet. Der Hof umfasst 82 Hektar Land. Dabei handelt es sich um 50 ha Acker, 20 ha Grünland und 12 ha Nutzwald. Dort leben 1.176 Legehennen und 24 Hähne, eine Mutterkuhherde mit 30 Tieren der Rasse Fleckvieh, 5 Ziegen, 1 Schaf und 2 Alpakas. Es werden Speisedinkel und als Hühnerfutter Weizen, Körnermais, Ackerbohnen und Hafer sowie als Silagefutter für die Kühe und Ziegen Kleegras angebaut. Der Speisedinkel wird über das Unternehmen Spielberger und die Eier über das Demeter-Hofgut Brachenreuthe in den Handel gebracht. Vor dem Hof können Nachbarn und Gäste auch Eier im Eierladen erwerben. Der Hof bietet mit einer Ferienwohnung auch die Möglichkeit das Landleben ganz hautnah kennenzulernen.
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