Artikel
0

Unmaskierte Christen unwillkommen!

Artikel anhören
Vorlesefunktion
—:—
Unmaskierte Christen unwillkommen!
Bild: Stef Manzini
Bild: Stef Manzini

Ein unverdauliches Osterei bescherte die römisch-katholische Kirchengemeinde Überlingen gläubigen Christen zur Osternacht.
Kurz vor neun Uhr, pünktlich zur Feier der heiligen Osternacht, sahen sich diese am Einlass zum St. Nikolaus Münster einer Einlasskontrolle, ehrenamtlich tätigen Frauen mit Masken im Gesicht und Desinfektionsflaschen in der Hand, gegenüber. Einlass nur mit Maske! Der Hinweis auf das „Fallen“ der Maskenpflicht wurde quittiert mit den Worten: „Wir machen die Gesetze nicht, Einlass nur mit Maske“. Auf den empörten Einwand, sie verwehrten doch damit jetzt Christenmenschen den Zugang zur Kirche ausgerechnet in der heiligen Osternacht, wiesen die Frauen aus der Kirchengemeinde auf OP-Masken hin, die bei ihnen erhältlich seien.

Wer keine Maske tragen wollte, musste aber draußen bleiben.

Ostern ist gewiss nicht Weihnachten, die Überlinger Osternacht erinnert aber an einen Versuch eines jungen Paares mit hochschwangerer Frau. Die werdenden Eltern hatten vor etlichen Jahren am Heiligen Abend, dem 24. Dezember, Einlass in verschiedene deutsche Kirchen verlangt, um einen Schlafplatz für die Nacht zu erhalten. Es waren wohl rund zehn vergebliche Versuche in verschiedenen Orten, bis sich ein Pfarrer erbarmte und ihnen in seinem Pfarrhaus Obdach und somit ein Nachtlager anbot. Dieser Versuch wurde zur Weihnachtszeit von einem Fernsehsender übertragen.

Maria und Josef hätten Pech gehabt an Weihnachten in unseren Tagen.
Unmaskierte Gläubige haben Pech an Ostern in unseren Tagen.

Es ist wohlfeil, Ostern 2022 in einem Gotteshaus der Dimension des Überlinger St.-Nikolaus Münsters auf Masken zur Verhinderung eines angenommenen infektiösen Geschehens zu bestehen. Und es ist erschütternd.

Die Frauen am Eingangstor zur Kirche setzten nur um, was ihnen befohlen, aber vielleicht gefielen sie sich auch dabei, ihre Macht zu genießen. Eine Beobachtung, die man während der Pandemie häufig auch im Einzelhandel feststellen konnte. Die katholische Kirche Überlingen machte zur Osternachtfeier vom Hausrecht Gebrauch, um die Masken vorzuschreiben, das ist legitim, aber ist es auch angemessen? Man trägt damit auf jeden Fall einem Mehrheitswunsch Rechnung, zu sehen auch am Karfreitag in der evangelischen Auferstehungskirche in Überlingen. Hier waren keine Masken vorgeschrieben, aber bis auf eine Besucherin des Gottesdienstes trugen alle Teilnehmenden eine Maske. Allerdings kann dem, wie das Beispiel aus der evangelischen Kirche zeigt, auch auf freiwilliger Basis Rechnung getragen werden.

Die Kirchen machten insgesamt gesehen in der Pandemie keine „gute Figur“. Wo sie Trost spenden und Hoffnung geben sollten, blieben ihre Türen oft verschlossen - oder nur für einen Teil der Bevölkerung erreichbar. Krankensalbungen entfielen. Gottesdienste fanden online, Seelsorge telefonisch statt.

Wandte sich Jesus Christus, so lehrt es die Bibel, den Kranken und Aussätzigen zu, so setzt die katholische Kirche in Überlingen andere Prioritäten. Ist die Heilige Osternacht seit über 2000 Jahren das Zeichen für Christi Auferstehung von den Toten, so bleiben in Überlingen die Türen zur Feier des größten Mysteriums der Menschheitsgeschichte für diejenigen geschlossen, die fälschlicherweise in dieser „Pandemie“ unmaskiert zu „Todesboten“ eines tödlichen Virus stilisiert wurden. Dass man mit Maske im Gesicht nicht freudig singen kann, ist hierbei noch das geringste Problem.

Problematisch ist jedoch die Tatsache, dass dieselben Menschen, die eben noch maskiert in der Kirche saßen, beim Glas Wein in den wesentlich engeren Überlinger Gasthäusern und Kneipen keine Masken tragen.

„Des Menschen Wille sei sein Himmelreich“ - so möge jeder beim Kirchgang eine Maske tragen, beim Spaziergang auf der Promenade oder beim Bummel durch die Geschäfte. Kein Maskenverweigerer schreibt einem Maskenträger vor, diese abzusetzen. Wer sich damit geschützt und sicher fühlt, kann weiterhin den „Lappen im Gesicht“ tragen. In der aktuellen Lage sind Masken, die der fünffache Facharzt und Pneumologe (Lungenfacharzt) und langjährige Leiter des Gesundheitsamtes in Flensburg, Wolfgang Wodarg, übrigens als Feuchtbiotope für Viren bezeichnet, obsolet.

In der Kirche Christi, des Gottessohnes und Revolutionärs Jesus Christus, der sich immer den Minderheiten zuwandte, sollte man wortwörtlich offen sein für alle Christen, maskiert wie unmaskiert. In Eigenverantwortung könnten die Gläubigen achtsam und selbstbestimmt handeln. Zugegebenerweise passen diese beiden Worte so ganz und gar nicht zu den herrschenden Dogmen der Katholiken. Ganz besonders schwierig wird die Entscheidung zur Ausgrenzung in einer Zeit, in der Präses Anna-Nicole Heinrich von der evangelischen Kirche kurz vor Ostern im Radio den rasant ansteigenden Mitgliederschwund der beiden großen Kirchen Deutschlands beklagte. Heinrich sprach diesbezüglich bei unter 50 Prozent eingetragenen Konfessionen bundesweit von einer Entwicklung der großen Kirchen hin zur Nische. Ist es also klug, angesichts der Kirchenaustritte, besonders in der katholischen Kirche aufgrund des sexuellen Missbrauchs durch Geistliche an Schutzbefohlenen Kindern und Jugendlichen, die verbleibenden Gläubigen, die in der österlichen Nacht gemeinsam in den Kirchen feiern wollen, nun auch noch zu unterscheiden? Nicht auf Freiwilligkeit in puncto Maske zu setzen, sondern weiterhin Gebote also Verbote auszusprechen?

In der Bibel heilt Jesus Aussätzige (Leprakranke) durch Handauflegen. Ist es despektierlich zu fragen, ob der Gottessohn wohl 2022 Angst vor einer grippeähnlichen Infektionskrankheit mit meist mildem Verlauf gehabt hätte? Hätte er sich wohl abgewandt von unmaskierten Menschen, egal ob sie gesund und selbst wenn sie krank wären?

Zurück zu allen Artikeln

Kommentare

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen?

stattZEITUNG.net ist leserfinanziert. Ohne Ihre Unterstützung gibt es diese Arbeit nicht.

Jetzt unterstützen