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Sollen Kinder in künftigen Lockdowns virtuell spielen?
- Motorische Entwicklung der Kinder in Zeiten der Pandemie.
- Nur ein Kindergarten antwortet.
- Karlsruher Studie will Einsatz von erweiterten Realitäten prüfen.
- Fachmediziner schlägt allgemeines Impfen als Weg zu normaler Bewegung der Kinder vor.
Da Kinder im zweiten Lockdown der Corona-Pandemie durchschnittlich noch nicht einmal eine Stunde tägliche Bewegung hatten, wie von der WHO (Weltgesundheitsorganisation) empfohlen, fragte stattzeitung.org in fünf hiesigen Kindergärten zur motorischen Entwicklung der Kleinen nach. Nur eine einzige Antwort aus dem KBZO (Kindergarten und Schule mit integrativen Gruppen des Körperbehindertenzentrums Oberschwaben) traf aus Überlingen-Nußdorf ein.
Frau Christine Rude, Bereichsleitung Kindergärten, teilte mit, da in ihrer Einrichtung ausschließlich Kinder mit motorischen Schwierigkeiten und Einschränkungen versorgt würden, stelle sich diese Frage so nicht und Vergleiche seien daher auch nicht sinnvoll. Die Kinder seien grundsätzlich in allen Lebensbereichen auf Unterstützung angewiesen.
Da die angeschriebenen Leiterinnen des Montessori-Kinderhauses in Überlingen, des Kindergartens Lippertsreute, des evangelischen Kindergartens in Stockach und des Kinderhauses in Sipplingen auch auf mehrfaches Nachfragen nicht reagierten, stellt sich die Frage, ob es in diesem Bereich in den hiesigen Kindergärten keine Auffälligkeiten gibt oder ob das Thema bisher nicht von Interesse ist.
Eine Studie des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) aus dem Jahre 2021 in Zusammenarbeit mit dem RKI, in der unter anderem die sportliche Aktivität von Kindergartenkindern bis zu Berufsschülern während der zwei Lockdowns untersucht wurde, kam zu einem erstaunlichen Fazit: Zitat: „Im Hinblick auf zukünftige Krisen und Mobilitätseinschränkungen sollte an einem Konzept zur Ermöglichung einer adäquaten körperlich-sportlichen Aktivität für ausnahmslos jede(n) Bürger und Bürgerin gearbeitet werden. In extremen Phasen der Einschränkung wie Lockdowns,…., sollte der Einsatz neuer Techniken wie virtuelle und erweiterte Realität (VR und AR) geprüft werden“.
Das könnte für die Zukunft darauf hindeuten, dass Bewegung und Körpererfahrung zu bestimmten Zeiten, beispielsweise in Lockdowns, in ganz anderen, nämlich virtuellen „Welten“ stattfinden würde.
Ein weiteres Ergebnis der Studie war, dass sich im ersten Lockdown die Kinder und Jugendlichen mehr und erst im zweiten Lockdown wesentlich weniger bewegt haben und zwar besonders in Bezug auf das Spielen und Bewegen im Freien. Als mögliche Gründe wurden hier weniger Zeit, schlechteres Wetter und Frust über die Gesamtsituation genannt. Welche Konsequenzen dies für die motorische Entwicklung hat, war nicht Gegenstand der Untersuchung (Quelle: https://publikationen.bibliothek.kit.edu/1000133697/128385194).
In der Presse mehren sich hingegen die Berichte von Kinderärzten und -ärztinnen, von Sportmedizinern und -medizinerinnen, die auf ein großes Defizit auch in der motorischen Entwicklung mit schwerwiegenden Folgen wie z.B. vermindertem Gleichgewichtsgefühl, Verschlechterung der Augen-Hand-Koordination, weniger Ausdauer, um nur einige zu nennen, hinweisen. Ein Fazit des Fachmediziners Christian Neumann lautete, wenn sich alle Erwachsenen impfen lassen würden, hätten die Kinder auch wieder Möglichkeiten sich motorisch zu entfalten (Quelle: https://www.swr.de/swraktuell). Zu den Folgen der Corona Beschränkungen, Mangel an Bewegung gefährdet die Entwicklung der Kinder, finden sich Informationen auch unter https://www.forschung-und-wissen.de.
In den genannten Artikeln wird mit Sorge auf die motorische Entwicklung der Kinder in Zeiten der Pandemie geschaut, Bewegungsmangel hat gravierende Folgen nicht nur im Hinblick auf die physische, sondern auch psychische Entwicklung der Kinder. Deutlich wird darauf hingewiesen, dass «Kindheit jetzt stattfindet», nichts aufgeschoben werden sollte und darf. Defizite können nur schwer aufgeholt werden. Als weiterer besorgniserregender Aspekt wäre in vielen Fällen ein geändertes Essverhalten zu nennen, das zu Gewichtszunahme führt, was wiederum die Lust sich zu bewegen verringert, ein Teufelskreis wird in Gang gesetzt, der erfahrungsgemäß nur schwer wieder zu durchbrechen ist.
Aus der Sicht der Sportpädagogin Diana Bensisch war eine Veränderung der motorischen Entwicklung bei Kindern schon vor der Pandemie zu beobachten, die zu Sorge Anlass gab. „Viele Kinder konnten sich nicht mehr altersgerecht bewegen, waren insgesamt „ungeschickter“, wobei es da eines sehr differenzierten Blickes bedarf, um genau zu sehen, wo jedes einzelne Kind im Augenblick steht“, sagt Benisch.
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