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Alice Weidel gibt Antworten und Ansichten zur Impfpflicht, zum Ukraine-Krieg, zu Freien Waldorfschulen und über Medien-Beamte (Teil 1/3)

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Alice Weidel gibt Antworten und Ansichten zur Impfpflicht, zum Ukraine-Krieg, zu Freien Waldorfschulen und über Medien-Beamte (Teil 1/3)

Alice Weidel ist eine von zwei Bundestagsabgeordneten für den Wahlkreis Bodensee. In dieser Funktion wurde sie von dem Überlinger Altenpfleger Roland Kaim wegen der brisanten Situation betreffend der einrichtungsbezogenen Impfpflicht angeschrieben. Weidel antwortete telefonisch, die stattzeitung.org berichtete (Pflegeberufe kämpfen gegen Impfpflicht). Alice Weidel ist nicht gegen das Corona-Virus geimpft, hat sich klar gegen eine allgemeine Impfpflicht positioniert und im Bundestag mit ihren Brandreden exponiert.

Die stattzeitung.org plant eine Reihe von Interviews mit Personen mit besonderen Funktionen oder in besonderen Positionen. Das müssen nicht immer Politiker sein. stattzeitung.org macht dazu mit dem Exklusiv-Interview mit Alice Weidel, der Bundestagsabgeordneten und Fraktionsvorsitzenden der AfD im Bundestag, den Auftakt.

s!!z: "Frau Weidel, wir sehen mit Sorge die aktuelle Lage in der Ukraine. Daher bitten wir Sie um eine kurze Einschätzung zum Krieg in der Ukraine. Sie selbst waren oft in Russland, kennen Land und Leute etwas besser als die meisten von uns. Wir sehen die Bilder der Kriegsgewalt in der Ukraine, sahen aber auch jahrelang den Beschuss der sogenannten russischen Minderheit im Donbass. Sind also Waffenlieferungen an die Ukraine oder gar Versprechungen hinsichtlich einer Nato-Mitgliedschaft die geeigneten Mittel der Wahl, um seitens der Bundesregierung diesen Konflikt zu entschärfen - und auch einmal mit Russland wieder am Verhandlungstisch zu sitzen? Was müsste Deutschland jetzt tun, um zu deeskalieren und das Verhältnis zu Russland wieder zu stabilisieren?"

AW: „Das Leid, das dieser Krieg über die Menschen bringt, lässt niemanden kalt. Unschuldige Menschen sterben; junge Männer fallen, Frauen, Mütter und Kinder trauern um sie – auf beiden Seiten. Die Kampfhandlungen müssen deshalb so schnell wie möglich eingestellt werden. Waffenlieferungen in ein Kriegsgebiet sind ein Tabubruch, den die deutsche Politik bislang aus guten Gründen immer vermieden hat. Der russische Angriffskrieg ist völkerrechtswidrig und uneingeschränkt zu verurteilen. Pauschale Stimmungsmache gegen Russen und alles Russische, die für die Taten der russischen Führung in Sippenhaft genommen werden, ist eine Klimavergiftung, der wir entgegentreten müssen. Auch nach diesem Krieg werden wir weiter mit Russland auf einem Kontinent zusammenleben. Es ist daher im deutschen Interesse, alle Kontakte, Chancen und Möglichkeiten zu nutzen, um Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine in Gang zu bringen, um einen baldigen Waffenstillstand und einen Friedensschluss zu ermöglichen, mit dem alle Beteiligten leben können.“

s!!z: "Frau Weidel, wir wissen, dass Sie sich aus gesundheitsbewussten Gründen dazu bekennen, sich nicht impfen lassen zu wollen. Wir hören und sehen ihre Brandreden zu den Corona-Maßnahmen im Bundestag und können ihre Statements dazu im TV und auf Facebook und auf unzähligen Demos mitverfolgen. Außer Ihnen und Teilen Ihrer Partei der AfD und Frau Wagenknecht (die Linke) haben wir den Eindruck, dass sich die rund 20 Prozent der Menschen in Deutschland mit Ihrer Haltung, also „Impfskeptiker“ und „Maßnahmen-Kritiker“, aber nicht bei den über 700 Bundestagsabgeordneten widerspiegeln. Ist dieser Eindruck falsch? Sind alle Abgeordneten auf Linie? Und falls ja, warum?"

AW: "Der Starrsinn und die Unbelehrbarkeit der Impfpflicht-Befürworter ist groß. Die Argumente, die sie anführen, sind längst widerlegt. Die Einführung einer Impfpflicht in Deutschland und die abermalige Verlängerung von Corona-Maßnahmen in den Sommer hinein wäre absurd. Reihum heben immer mehr Länder in Europa und der Welt die Maßnahmen auf; dort, wo man eine Impfpflicht geplant oder beschlossen hat – Beispiel Großbritannien oder Tschechien –, rückt man längst wieder davon ab. Deutschland steht mit dieser Politik der Dauerpanik zunehmend alleine da. Es gibt auch in den anderen Fraktionen Abgeordnete, die die Impfpflicht kritisch sehen, aber viele sind von den schrillen Tönen der Impfpflicht-Fanatiker und des Mainstreams eingeschüchtert. Wir kämpfen dafür, möglichst viele zu überzeugen und eine Einführung der weder rechtlich, noch medizinisch, noch politisch zu rechtfertigenden Impfpflicht zu verhindern, mit der elementare Grundrechte, insbesondere das Recht auf körperliche Unversehrtheit, massiv verletzt würden.“

s!!z: "Im Februar erhielten sie einen Brief von dem Überlinger Altenpfleger Roland Kaim. Er möchte der einrichtungsbezogenen Impfpflicht bisher nicht nachkommen und schilderte Ihnen seine Sorgen Ängste und Nöte, und die seiner Arbeitskollegen. Sie haben dann auf diesen Brief hin mit ihm telefoniert. Kaim berichtete der stattzeitung, sie hätten ihn gebeten, sie auf dem Laufenden zu halten. Bitte sagen Sie uns was sind Ihre Befürchtungen hinsichtlich der „Pflege“ wenn in Deutschland eine Impfpflicht eingeführt wird, droht dadurch eine Verschärfung des „Pflegenotstands“? Also eine „Pflegekatastrophe?"

AW: "Die einrichtungsbezogene Impfpflicht ist der vollkommen falsche Weg. In den vergangenen Jahren war der Hauptvorwand für alle eklatanten Grundrechtseinschränkungen eine Überlastung des Gesundheitssystems zu verhindern. Die einrichtungsbezogene Impfpflicht führt dieses Argument komplett ad absurdum. Die größte Belastung des Gesundheitssystem ging nie vom Virus, sondern vom Personalmangel aus. Der Personalnotstand im Pflege- und Gesundheitssektor bestand schon lange vor der Corona-Krise. Die Politik hat zugesehen, wie sich dieses Problem immer weiter verschärft. Durch die einrichtungsbezogene Impflicht werden nun massenhaft weitere Fachkräfte verloren gehen. Die Krise im Gesundheitssektor wird damit auf die Spitze getrieben. Pflegekräfte können sich für Applaus nichts kaufen. Sie brauchen solide Rahmenbedingen und eine verlässliche Perspektive.“

s!!z: "Der Altenpfleger Herr Kaim empfand Sie ihm gegenüber als sehr zugewandt, auch das Sie sich sehr viel Zeit für das Telefonat nahmen, so berichtete er es der stattzeitung.org. Nun hören sie täglich solche oder ähnliche Geschichten. Mir wurde u.a. von Karl-Heinz-Hulin (dem Vater der am Bodenseeufer tot aufgefundenen Isabelle Kellenberger) berichtet, dass Sie tatsächlich Kontakt halten bzw. sich die Namen derjenigen merken, die sich direkt an Sie wenden. Eine Gabe? Antrainiert? Sind Sie fürsorglich, und lässt Sie trotz der Dichte Ihres Terminkalenders und der etwas abgehobenen Abgeordnetenwelt in Berlin so ein Einzelschicksal nicht kalt?

AW: „Ich sehe es klar als meine Aufgabe an, den Bürgern zuzuhören. Es ist gefährlich nur in der „Berliner Politblase“ zu leben. Politik für die Menschen kann nur bestritten werden, wenn die Politik die Sorgen und Belange der Bürger auch ernstnimmt. Das ist und bleibt mir ein Anliegen.“

s!!z: "Zur besten Sendezeit müssen sich „Ungeimpfte“ und/oder „Corona-Maßnahmen-Kritiker“ beispielsweise für ihre Rundfunkbeiträge von Anne Will in ihrer gleichnamigen Talkshow in der ARD als „Idioten“ beschimpfen lassen. Die AfD ist seit langem für die Abschaffung der Rundfunkbeiträge zum öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Gleichsam findet ein öffentlicher Diskurs mit Wissenschaftlern, die eine andere Meinung als RKI und Lauterbach vertreten, praktisch in „Medien-Deutschland“ sowohl in TV/Radio als auch im Print nicht statt. Wie konnte es zu dem Totalversagen der durch das Grundgesetz Artikel 5 garantierten Pressefreiheit kommen? Und wie holen wir uns unsere Medien zurück? Oder ist das unmöglich, und brauchen wir Ihrer Meinung nach jetzt nicht nur die Alternative für Deutschland, sondern auch viel mehr alternative Medien?"

AW: "Je mehr Vielfalt und Wettbewerb es in den Medien gibt, um so besser für die Meinungsfreiheit und damit für die Demokratie. Deshalb: Ja, unbedingt, wir brauchen mehr freie, unabhängige, alternative Medien, um die Meinungsvielfalt und die Meinungsfreiheit in unserem Land zu stärken.“

Das Exclusiv-Interview der stattzeitung führte Stef Manzini.

Alice Weidel ist eine deutsche Politikerin, Mitglied des Bundestags (MdB) und wurde am 6. Februar 1979 in Gütersloh geboren. Sie studierte Volks- und Betriebswirtschaftslehre an der Universität Bayreuth und schloss 2004 als eine der Jahrgangsbesten ab. Von 2005 bis 2006 arbeitete Weidel als Analystin bei Goldman Sachs in Frankfurt. Anschließend schrieb sie ihre Doktorarbeit über das chinesische Rentensystem. 2011 wurde sie mit summa cum laude promoviert. Für ihren Forschungsaufenthalt in China erhielt sie ein Stipendium, die Begabtenförderung der Konrad-Adenauer-Stiftung hatte ihre Promotion gefördert. Von 2011 bis 2013 arbeitete Weidel bei der Allianz Global Investors Europe in Frankfurt.

2013 trat Alice Weidel in die Partei AfD (Alternative für Deutschland) ein und wurde 2015 in den Bundesvorstand gewählt. Bei der Landtagswahl 2016 kandidierte sie erfolglos als Kandidatin für den Landtagswahlkreis Bodensee. 2017 wurde Weidel zusammen mit Alexander Gauland vier Jahre lang zur Spitzenkandidatin für die Bundestagswahl. Seit 2021 bildet Alice Weidel zusammen mit Tino Chrupalla die Doppelspitze der AfD-Bundestagsfraktion.

Weidel lebt zusammen mit Sarah Bossard, einer aus Sri Lanka stammenden Schweizer Film- und Fernsehproduktionsleiterin, in einer eingetragenen Partnerschaft, das Paar hat zwei Kinder. Hauptwohnsitz der Politikerin ist Überlingen am Bodensee.

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