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Falsche Pandemie? Falsche Freunde?
Neulich habe ich zum ersten Mal festgestellt, wie schwer es mir fällt, mich mit meinen „geimpften Freunden“ zu treffen. Am Mittag am Markt ist es passiert. Als ich mich einfach zu Ihnen setzte, im Außenbereich des Cafés. Verboten für die Menschen wie mich. Erlaubt für die Menschen wie Sie.
Unfassbar!
Ich habe Euch zugehört, wie Ihr Euch über Eure Reisen unterhalten habt, über Veranstaltungen, Kino und auswärts essen. Ihr, die Ihr Euch seit Monaten anguckt, was Die mit uns machen.
Ihr, die Ihr mir manchmal heimlich auf die Schulter klopft und mich angeblich ja auch ein bisschen versteht. Um dann über die bösen Telegram-Kanäle „abzulästern“, in die Ihr mich gedrängt habt. Ihr, die Ihr mich fragt, ob ich mich denn wohlfühle auf den Demos unter all den „Rechten“. Ihr, die Ihr uns auf dem kalten Marktplatz frieren lasst. Montag für Montag. Ihr, die Ihr keinen Spalt breit aus Euren komfortablen Wohnungen kommt, um Euch zu uns zu stellen. Ihr, denen die Ausgrenzung der „Impfapartheid“ Eurer angeblich so wertgeschätzten Freunde keinen Meter für Euren Protest dagegen wert ist. Ihr, die Ihr immer etwas Anderes vorhabt zur „Demo-Zeit“. Ihr, die Ihr uns von Euren Weihnachtsfeiern und Silvesterfeiern ausgeschlossen habt. Wegen drohender Gefahr. Ihr, die Ihr jetzt schnell vorübergeht und den Blick abwendet, wenn Ihr mich auf der Straße trefft. Ich könnte ja Viren schleudern, oder Euch mit meinem Gedankengut vergiften. Ihr, die in politischen Ämtern sitzt, und vergessen habt, wer Euch dort hineingewählt hat. Ihr, die schockiert seid darüber, wenn meine Nerven blank liegen.
Ihr, die Ihr uns womöglich alle ohne zu zögern über die Klippe gestoßen hättet, wenn es Euch Euer Fernseher befohlen hätte!
Wo ist Eure Solidarität? Wo ist Euer Nein, zu all den ideologisch bedingten ausgrenzenden Maßnahmen, die uns zu Außenseitern stempeln. Die uns stigmatisieren? Die uns ausschließen vom öffentlichen Leben? Die uns Schuld geben an allem? Wo klagt Ihr mit uns das Politikversagen, den eitlen Drang falscher Experten, und die Häme und Hetze gegen uns in den Medien an?
Ihr wollt nicht mehr über Corona reden. Das ist Euch zu anstrengend. Ihr, die Ihr uns in die permanente Rechtfertigung gezwungen habt. Ihr, die Ihr mit dem Finger auf uns zeigt. Ich will auch nicht nur über Corona reden. Aber ich komme kaum noch umhin, denn es bestimmt meinen kompletten Alltag. Ihr habt mich lange sprachlos gemacht. Aber mein Schweigen ist jetzt sehr laut.
Anstrengend ist übrigens ein merkwürdig kleines Wort angesichts der großen Spaltung, die uns allen den Atem raubt. Angesichts jener Spaltung, die kein Virus auslösen kann. Ich meine die Spaltung, die von oben herab verordnet willfährig bis in Ehen und Familien, an den Arbeitsplatz und ja, eben auch in die Freundeskreise von Euch umgesetzt wird.
Früher war es einmal ein Grund, eine Freundschaft zu beenden, wenn man sich gegenseitig die Freundin oder den Freund ausgespannt hatte, oder wenn man nicht ehrlich zueinander war. Heute ist die intimste Privatsache - einen medizinischen Eingriff vornehmen zu lassen oder eben nicht - dafür ausschlaggebend.
Heute werden wir aus Schulklassen-Chats rausgeworfen, weil wir nicht die Mehrheitsmeinung vertreten. Wahlverfahren Daumen hoch, Daumen runter. Künstler entfernt man, weil sie Russen sind. Zensur all over!
Wer hätte das jemals für möglich gehalten?!
Und jetzt schämt Ihr Euch angeblich für mich, weil ich immer noch auf dem Platz in der Kälte stehe. Für meine Freiheit. Auch im Angesicht des Krieges. Ich würde jederzeit auch da stehen für die Freiheit der Menschen im Ukraine-Krieg, die nicht einmal meine Freunde sind, und auch nicht meine Kollegen oder Nachbarn.
Und genau das ist der Unterschied zwischen uns.
Wahrscheinlich werde ich Euch irgendwann verzeihen, vergessen werde ich Euch das allerdings nie.
Seit dem Wochenende darf ich mich jetzt getestet wieder in die Gastronomie begeben. Pah, ich bin mittlerweile lieber draußen - und ich will Euch eigentlich gar nicht mehr. Ihr „geimpften Freunde“.
Diese Erkenntnis über meine eigene Intoleranz hat mich heute erschreckt!
PS: Ich bin also einE "SchwurblerIn", einE "SozialschmarotzerIn", bin unvernünftig und unbelehrbar, einE LügnerIn, gehöre zur braunen Suppe - und ja, jetzt gibt es ein neues Narrativ: „ImpfgegnerInnen“ und "QuerdenkerInnen" lieben alle Putin und sind für den Krieg.
Und jetzt muss ich leider aufhören zu schreiben, denn um diese Zeit trinke ich mit meinen neuen verschwörerischen Freunden immer ein Glas frisches Blut. Kräuterblut natürlich aus dem Reformhaus. Enthält viel Eisen. Und das brauche ich, um mir eine Rüstung zu schmieden gegen neue Vorwürfe meiner Realität leugnenden ExfreundInnen.
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