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Warum Fasnet? Darum Fasnet!
Am vergangenen Samstag, den 26. Februar 2022 fand in Überlingen der traditionelle „Hänsele-Juck“ der in jedem Jahr tausende Besucher anzieht als „spontane Aktion“ statt. Die Veranstalter hatten sich nicht in der Lage gesehen, nach der erst ein paar Tage zuvor durch die Landesregierung bekanntgegebenen Voraussetzungen dafür, unter den notwendigen Auflagen und Maßgaben eine Großveranstaltung stattfinden zu lassen. Eine „stadtbekannte Fasnachterin“ sagte am Samstag dazu, für sie falle die „Fasnet“ in diesem Jahr aus. Jetzt käme zu Corona auch noch der Krieg in der Ukraine. „Mitzujucke“ und einfach lustig und ausgelassen zu sein, passe in diesem Jahr für sie nicht zur sehr bedrückenden Weltlage. Sie habe Angst und es fehle ihr einfach am Frohsinn. Auch könnte die Überlingerin überhaupt nicht verstehen, wie man sich einerseits in der Stadt lustig umhertreiben lassen wolle, um sich danach im Fernsehgerät die Bilder von kämpfenden und sterbenden Menschen anzuschauen.
Christiane Allweyer, seit 1997 in der „Löwenzunft“ und bekennende „Schurrerin“ sieht das ganz anders. „Zu jeder Zeit sterben auf der Welt Menschen an Krankheit, Hunger und Krieg.
Es ist ganz wichtig zu sehen, dass zeitgleich immer auch Menschen feiern. Das kennen wir ja auch aus dem persönlichen Bereich. Der Vater meiner Kinder starb vor zwei Jahren, und woanders feierten die Menschen“. „Fasnet“ wäre in Überlingen nun einmal die fünfte Jahreszeit, da wüchse man schon als Kind hinein. Christiane Allweyer erinnert an die große Enttäuschung ihres 14-jährigen Sohnes Silas, der im vergangenen Jahr kein Hänsele sein durfte. Selbstverständlich berühre sie das Leid der Menschen in der Ukraine, sie wäre ja schließlich Mitglied in der Initiative „Kiew-Kinder“, (Anmerkung der Redaktion: 1986 nach dem Reaktor-Unglück in Tschernobyl gegründet), und habe auch einer befreundeten Mutter aus Kiew angeboten, ihre beiden Kinder bei sich hier in Überlingen aufzunehmen. Betroffenheit gebe es zu jeder Zeit, auch die Situation der alleingelassenen Senioren während der „Pandemie“ mache sie betroffen, und die Nähe ihres Wohnortes zu dem „Rüstungsunternehmen-Diehl“, sagt Allweyer.
Tod und Spaß gehören zum Leben dazu, meint auch Claudia Kirch eine Freundin von Christiane Allweyer. Sie ist mit ihrem Sohn Levin extra aus Bergisch Gladbach gekommen, um in Überlingen die „Fasnet“ zu feiern. Beide Frauen waren am vergangenen Samstag bei dem spontanen oder auch heimlichen „Hänsele-Juck“ mit Freunden in Überlingen unterwegs. Rund 300 Hänsele und ein paar hundert Besucher trafen sich um 19 Uhr in der Überlinger Altstadt.
Genau an dieser „Heimlichtuerei“ stören sich die beiden Freundinnen. Christiane Allweyer hat kein Verständnis dafür, dass beispielsweise der Narrenbaum in diesem Jahr in der Nacht heimlich aufgestellt wurde. „Warum lässt man die Kinder nicht daran teilhaben“, fragen beide Frauen. Auch ein „Hänsele-Juck“ hätte nach Meinung von Allweyer organisiert werden können „andere Orte schaffen das doch auch“, sagt Allweyer, die die Absage aus organisatorischen Gründen für eine „fadenscheinige Ausrede“ hält.
„Wir wollen doch auch dafür sorgen das sich gerade in dieser Zeit die Stimmung etwas aufhellt“, erklärt Claudia Kirch . Sie spricht von einer Art „Schneeballsystem“ das die Stimmung der Menschen herunterziehen oder anheben könnte. „Ich lebe im Hier und Jetzt, und hier ist ja kein Krieg“ sagt Kirch . In Demut und Verbundenheit, aber auch im Gebet denke sie jedoch an notleidende Menschen überall auf der Welt, auch in der Ukraine, erklärt die Frau aus dem Bergischen Land.
Am heutigen Rosenmontag geht Christiane Allweyer im „Hemdglonker-Häs“ zum „Montagsspaziergang des Demokratischen Widerstands“, Motto: „Gemeinsam für Frieden und Freiheit und die Wiederherstellung der Grundrechte“. Spaß und Ernst, Liebe und Leid, Tod und Geburt, das alles wäre doch das Leben, sagt die Überlingerin, mit einem listigen Augenzwinkern.
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